Vor 50 Jahren starb Otto Able (1919-1974). Er ist für das Wegscheider Land der wohl am meisten unterschätzte Bürgermeister. Ihm verdanken wir das Erholungsgebiet Rannasee, einen wertvollen Naherholungsraum, auch die Erschließung des Naturwanderwegs im Bärenloch, den Wanderweg auf den Eidenberger Lusen und die Lusenkappelle. Er gründete die Sektion Wegscheid des Waldvereins. Kein anderer Bürgermeister im Wegscheider Land hat seither auch nur annähernd so weitsichtig und zum Wohl der Bürger und Bügerinnen gearbeitet. Er hatte tragfähige Visionen für die Zukunft des Landstrichs
Obwohl alle seine "Leuchtturmprojekte" heute im Gebiet der Gemeinde Wegscheid liegen, war er doch nie Bürgermeister von Wegscheid. Die Marktgemeinde Wegscheid, wie wir sie heute kennen, ist das Ergebnis der Gebietsreform und die Eingemeindungen waren erst 1978 abgeschlossen, vier Jahre nach dem Tod Otto Ables.
Otto Able war zunächst Bürgermeister der Gemeinde Eidenberg mit den Ortsteilen Aiglsöd, Fronau, Gossingerreut, Hartmannsreut, Kappel, Kitzau, Maierhof, Mitterwasser, Monigottsöd, Niederwegscheid, Raschmühl, Steinmühl und Stiermühl. In Meierhof wohnten die Ables, heute ein Ort oberhalb des Rannstausees. Damals gab es den See noch nicht.
In seiner Zeit als Bürgermeister entwickelte Otto Able die Vision von einem großen Badesee im Rannatal unterhalb von Meierhof. Viele hielten die Idee für schön, aber nicht realisierbar. Er blieb hartnäckig. In Heinrich Obermeier fand er einen Verbündeten, der wie er konsequent für den Rannasee warb und Schritt für Schritt die rechtlichen und behördlichen Voraussetzungen schuf. Dabei kam Otto Able zugute, dass er mit den österreichischen Nachbargemeinden, vor allem mit Oberkappel, in gutem Einvernehmen und regem Austausch stand. Die Tatsache, dass der Rannasee ein grenzüberschreitendes Projekt war, hatte es ihm angetan. Obwohl von Beruf Grenzpolizist, zählte für ihn nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame, dass wir alle in einer wunderschönen Landschaft leben und alle von einem Rannasee profitieren würden.
Die Planungen begannen 1967. Wie so oft werden die Initiatoren und geistigen Gründerväter gerne verschwiegen. So kennt der Wikipedia-Eintrag nur ein "man" und keinen Otto Able. Letztlich möchte ich mit diesem Artikel dazu beitragen, dass die Verdienste Otto Ables nicht in Vergessenheit geraten oder sich andere mit ihnen schmücken.
Nach der Eingemeindung der Gemeinde Eidenberg in die Gemeinde Wegscheid im Jahre 1972 wurde Otto Able Bürgermeister von Wildenranna mit den Ortsteilen Brunngraberhäusl, Eckwies, Furthäusl, Garmer, Kailing, Maierstockberg, Obermühle, Pölzöd, Rannahof, Rannasäge, Reichartsreut, Rosenau, Schlatthäusl, Schlattlmühle, Tumpenberg, Winklhammer, Wippling und Wüstenberg. Wildenranna wurde erst vier Jahre nach Otto Ables Tod 1978 in die Gemeinde Wegscheid eingemeindet.
Als ich Otto Able kennenlernte, war er Bürgermeister von Eidenberg und wohnte in Meierhof. Ich war damals ein kleiner Junge und meine Eltern waren mit Ables befreundet.
„Am 1. Dezember 1972 wurde mit ca. 40 Frauen und Männern der Bayerische Wald-Verein Sektion Wegscheid gegründet. Initiator war damals der Naturschutzbeauftragte der Marktgemeinde Wegscheid Otto Able. Er hatte mit der Ausweitung des Bärnloch‘s und des Eidenberger Lusens ein Naturschutzgebiet geschaffen und somit die Sensibilität zur Erhaltung der Natur und der Heimat hervorgerufen. Der Bau einer Waldkapelle war der krönende Abschluss. Die dort alljährlich stattfindende Maiandacht unterhalb des Gipfels des Eidenberger Lusens ist über die Wegscheider Grenzen hinaus zu einer einzigartigen Veranstaltung gewachsen.
Der 1. Vorsitzende macht sich den Ausbau des Wanderwegenetzes und damit die Entwicklung des sanften Tourismus zu seiner Hauptaufgabe. Zusätzlich war es der Sektion damals schon ein Anliegen, die Mitglieder aktiv am Vereinsleben teilhaben zu lassen. So wurden verschiedene Fahrten und Wanderungen angeboten, um den Mitgliedern auch die eigene Heimat zu zeigen. Otto Able stand somit für die Initialzündung und - leider, bedingt durch seinen frühen Tod, für die Vision dieser Sektion.”

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