Die „Abwicklung des Krankenhauses” wird Wegscheid einen Verlust an Standortattraktivität bringen, weniger mit Blick auf Industrie, Gewerbe und Handel, jedoch bezogen auf Dienstleistungen, insbesondere im Bereich Gesundheit, medizinische Versorgung, Pflege- und Seniorenheime.
Es fragt sich, ob Wegscheid für das geplante Seniorenzentrum in der Adalbert-Stifter-Straße noch ausreichend attraktiv sein wird, und das heißt rentabel, lukrativ. Dass die Schellmann Unternehmensgruppe in Wegscheid investierte war ein Glücksfall (weniger die Wahl des Baugebiets), denn das Unternehmen investiert strategisch eigentlich "in Städte mit mindestens 10.000 EW, Innenstädte, Randlagen mit vorhandener Nahversorgung, ÖPNV, positive Kaufkraft und Bevölkerungsentwicklung".
Vorteile des Standortes Wegscheid sind zweifellos die schöne Lage, gerade mit Blick auf die noch rüstigeren Bewohner*innen und die gute medizinische Versorgungsstruktur von niedergelassenen Allgemeinmedizinern und einem Krankenhaus. Dies sind sicherlich sehr gute Pluspunkte für die Vermarktung, gerade bei älteren Menschen, die besonderen Wert auf eine gute medizinische Versorgung legen, aber auch bei Angehörigen, die erwarten, dass im Notfall - Beispiel Herzinfarkt, Schlaganfall aber auch Brüche, wie Oberschenkelhalsbrüche etc. - eine schnelle, kompetente medizinische Versorgung gewährleistet ist.
Erfahren Interessenten, dass es künftig - die Zeit für das Eintreffen des Notarztes oder Notarztwagens nicht berücksichtigt - zu guten Zeiten etwa 45 Minuten dauern wird, bis beispielsweise ein Schlaganfallpatient ins Klinikum Passau gebracht werden kann, dann wird die Begeisterung sicherlich schwinden. Wenn sie dann noch erfahren, dass es in schneereichen Wintern oder bei Hochwasser auf der Donau deutlich länger dauern kann, bis zu 1,5 Stunden, dass das Klinkium Passau fallweise Patienten nicht annimmt, sondern an die Krankenhäuser in Vilshofen oder Rotthalmünster weiterverweist, dann wird der eine oder andere sicher abwinken oder sich nach Alternativen umsehen.
Genau genommen verliert das Seniorenzentrum durch die „Abwicklung” des Krankenhauses Wegscheid spürbar an Attraktivität - sowohl für die Bewohnerinnen als vermutlich auch für die Investorinnen.
Es bleibt abzuwarten, wie sich der Investor, die Schellmann Unternehmensgruppe, dazu verhalten wird. Noch deutet nichts auf einen Baubeginn hin.
Das Wegscheider Krankenhaus wird „abgewickelt” — Das Krankenhaus Wegscheid, ein Kreiskrankenhaus, hat, wenn es nach dem Willen des Landkreises geht, keine Zukunft mehr. Jahrzehntelange Versäumnisse und anders gesetzte Prioritäten bescheren Wegscheid nun eine Abwicklung, wie es das Krankenhaus Waldkirchen bereits vor etlichen Jahren erfahren musste. Im Sinne eines weiter so, ohne strategische Konzepte für eine Zukunft, dümpelte das Krankenhaus vor sich hin, in die Jahre gekommen und hoffte darauf, dass die steigenden Kosten schon irgendwer tragen würde. Das ist nicht mehr möglich. Die Quittung für Versäumnisse seitens des Landkreises und der Gemeinde ist hart und für die Bevölkerung mit enormen Folgen verknüpft.
Verschlusssache Zukunftskonzept Krankenhaus Wegscheid — Der Landkreis Passau verweist auf ein 200.000 Euro teures Zukunftskonzept, wenn es um Leistungs- und Personalabbau im Krankenhaus Wegscheid geht. Einsicht in das Konzept wird nicht gewährt. Der Landkreis beruft sich auf Geheimhaltung und eine vertragliche Vereinbarung mit der GÖK Consulting, die eine Einsichtnahme durch Dritte verbietet. Selbst die Marktgemeinde Wegscheid kennt nach eigenen Angaben nur wenige Auszüge aus dem Konzept.
Fragen zum Zukunftskonzept Krankenhaus Wegscheid — Das Zukunftskonzept Krankenhaus Wegscheid halten die Landkreis Passau Krankenhaus gGmbH und die GÖK Consulting streng unter Verschluss - Geheimhaltung und Nutzungsvorbehalte. So ergeben sich grundsätzliche Frage noch bevor inhaltliche gestellt werden können. Fehlende Transparent und keine Bürgerbeteiligung charakterisieren das Vorgehen von Landrat Raimund Kneidinger.