Wie schräg muss man drauf sein, wenn man in einem Interview sagt, in der DDR sei alles besser gewesen. Wenn gerade bei jungen Erwachsenen diese Retro-Sentimentalität signifikant häufiger anzutreffen ist, als bspw. bei den über 60 Jährigen, die die DDR noch erlebt haben, dann stimmt da etwas nicht.
Die DDR war nicht erst 1989 total bankrott - wirtschaftlich, politisch und moralisch. Die DDR stand nicht vorm Abgrund, sie war schon darüber hinaus. Ohne Wiedervereinigung wäre die DDR weiter auf einer Schnellstraße Richtung „kaputter Staat” unterwegs gewesen. Die Industrie war längst nicht mehr konkurrenzfähig, höchstens gegenüber Ländern des Comecon, denen es noch schlechter ging. Die Umweltverschmutzung war enorm. Die Truppen der Sowjetrepublik besetzten immer noch große Flächen in der DDR. Erschreckend viele Bürger waren Spitzel und Denunzianten, die im Dienst der Stasi sogar Familienmitglieder bespitzelten. Die Mehrheit der Bevölkerung war hochgradig korrumpiert. So sehr, dass Menschen aus dem Land flohen und mit Schießbefehl daran gehindert wurden. Ein verkommenes Gefängnis, dominiert von kleinbürgerlicher Selbstgefälligkeit, ohne Zukunft, nur von ideologischen Phrasen gerade noch zusammengehalten . Und diese Kleinbürger schreien nun: Wir sind das Volk. Wir holen uns unser Land zurück.
Deutschland sollte sich scheiden lassen.
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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