Ein unruhiges Herz

Sein Leben verschwenden in der Fülle der Leidenschaften

Wissenslust

Es gibt so vieles, was einen wachen Verstand beschäftigt und nicht wenig, das ein Herz in Aufregung bringt. Üblicherweise wird dieses Lebensgefühl der Pubertät und Adoleszenz zugeordnet. Dann sollten die jungen Erwachsenen gelernt haben, sich auf bestimmte Ziele, auf Lebensziele zu konzentrieren und erkannt haben, dass davon Erfolg abhängt. Wer sich verzettelt, werde es nicht weit bringen. — Danach wären allerdings sogenannte Universalgelehrte wie Goethe oder Humboldt verzettelte Zeitgenossen geblieben, denen die Konzentration ihrer Kräfte auf bestimmte Ziele fehlte, um wirklich erfolgreich sein zu können. Wie man sich doch irren kann.

Dennoch; Goethe, Humboldt und viele andere Universalgelehrte sind kein Maßstab. Und die Zeiten haben sich auch geändert (ein immer wieder taugliches Argument :) Heute jedenfalls gilt das Vorurteil, wer nicht früh sein Fach gefunden hat und dort leistungsorientiert arbeitet, sei eher ein Dilettant.

Mag sein, dass das nicht ganz unberechtigt ist. Es sollte aber nicht als Entschuldigung dafür dienen, sich keine eigene kritische Meinung über Umwelt, Politik, Geschichte, Literatur, Kunst usw. zu bilden und diese zu artikulieren.

Mit zunehmendem Alter stellt sich zudem die Frage ein, wofür es lohne, die verbleibenden produktiven Jahre aufzuwenden. Die Natur zwingt dazu, nach Leistbarem zu fragen und sich damit abzufinden, dass bestimmte Themen einfach zu groß sind, um noch begonnen zu werden. Wenn der Verstand aber noch beweglich und das Herz noch jung ist, fällt es nicht leicht, sich auf diese Einsicht einzulassen. Andererseits sollte man auch wieder den Mut haben, Dinge zu beginnen ohne Blick darauf, ob man damit an ein Ende kommen wird.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag