Beim Lesen eines Gedichts von Jürgen Becker, das er in seinem Buch: Nachspielzeit. Sätze und Gedichte (2023) veröffentlichte, elektrisierte mich eine, im Grunde lapidare Verszeile:

Selbstbeschränkung kommt mir als erstes in den Sinn, denn es entlarvt ein Verhaltensmuster, das ich in den letzten Jahren zunehmend ausprägte. Man könnte auch sagen Vermeidungsverhalten.

Wer schon einmal in einem Stadtteil gewohnt hat, in dem es fast unmöglich ist, einen Parkplatz in der Nähe seiner Wohnung zu finden, kann das nachvollziehen. Jüngere werden es darauf ankommen lassen. Ältere werde überlegen, ob sich eine Fahrt lohnt, wenn man dafür einen guten Parkplatz aufgeben muss und kaum eine Chance sieht, einen ähnlich guten wieder zu finden. Sie werden abwägen, ob nicht ein Fußmarsch oder die Nutzung von Öffis möglich sind oder, ob man einfach auf das verzichtet, was die Nutzung des Autos erforderlich machte. Hat man erst einmal diese Spirale in Gang gesetzt, dann wird es immer unwahrscheinlicher, dass man einfach ins Auto steigt, ausparkt und losfährt.

Ist „Parkplatz” nicht auch ein Bild für „Komfortzone”? Sie zu verlassen bedeutet Risiko. Wer weiß, ob sich wieder eine vergleichbare Komfortzone finden wird? Halten was man hat, selbst dann noch, wenn es beschwerlich wird. Aber immerhin hat man, was man hat. Ein Gefühl vermeintlicher Sicherheit. Wer die Komfortzone verlässt, hat sie verloren. Aber mehr als das heißt es nicht: Wer seine Komfortzone verlässt, hat sie verloren.

Es heißt nicht, dass es nur einen Parkplatz, eine Komfortzone gibt, dass es eine Bestimmung für einen bestimmten Parkplatz oder eine bestimmte Komfortzone gäbe, die es zu finden und festzuhalten gelte. Damit bleibt es bei der lapidaren Feststellung: „Wer seinen Parkplatz verlässt, hat ihn verloren.” — Man muss das als Chance begreifen, zukunftszugewandt.

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag