Leider habe ich den Traum erst spät aufgeschrieben, so dass ich die „Vorgeschichte” nicht mehr erinnere. Die Erinnerung setzt dort ein, wo ich jemandem nachgehe, der mir verdächtig schien. Warum und in welcher Hinsicht er verdächtig schien war im Traum wohl weniger wichtig, weil ich mich daran nicht erinnere. Er kam an eine Küste, nahm sich ein Boot und fuhr mit dem Boot weg. Ich suchte ein Boot, um ihm zu folgen und als ich eines fand, gelang es mir nicht mehr, ihn einzuholen. Ich drehte um. Das Ufer, an das ich zurück kam war felsig, das Wasser klar, blau und türkisfarben und man sah bis auf den Grund. Es ließ sich nicht abschätzen, wie tief es war und da am Grund wieder Felsen sichtbar waren, suchte ich länger nach einer Stelle, wo ich glaubte, das Boot sicher an Land bringen zu können. Da es keine Möglichkeit gab, es zu befestigen, zog ich es ein Stück den Hang hinauf. Da fielen mir die vielen kleinen Blumen auf, die da blühten, auch Rosmarin, in Büscheln, zwischen den Felsen. Der Himmel war strahlend blau, es war warm und die Luft fein, wie der Duft.
Zu meiner Überraschung bemerkte ich, dass das Boot am Heck allmählich versank. Zunächst sah es aus, als wäre es Treibsand, der das Boot in die Tiefe ziehe, aber dann war es eher ein Schlammloch. Ich versuchte das Boot festzuhalten, was mir nicht gelang. Vielmehr wurde auch ich in das Loch hineingezogen. Es war ein Schlund. Nur schwer konnte ich das Boot, dessen Leine ich immer noch in Händen hielt, darin noch sehen. Da merkte ich, dass sich das Loch über mir allmählich schloss und ich wusste, dass ich mit aller Kraft dort hinaus muss, um nicht verschluckt zu werden. Mit aller Mühe und Anstrengung gelang es mir, meine Hand und meinen Unterarm durch das Loch zu schieben, bevor es sich schloss. Ich weitete den Ausgang, bis ich hindurch passte. Das Boot hatte ich immer noch an der Leine, in der anderen Hand. Da der Schlund glitschig war, brauchte es viel Anstrengung, bis ich mich aus dem Loch hinaus gearbeitet hatte. Dann zog ich, schon ziemlich erschöpft, auch das Boot heraus. Draußen war der Tag unverändert sonnig und friedlich. Ich freute mich wieder über alles, was ich sah, roch und hörte.
Erstaunlich war, dass ich in diesem Traum nicht in Panik geriet, was man eigentlich erwarten würde. Ich hatte während ich da im Schlund allmählich versank auch keine Atemnot. Und irgendwie wollte ich das Boot, das mich stark nach unten zog, trotz der bedrohlichen Situation nicht loslassen. Als ich samt Boot aus dem Schlund heraus war, schloss sich das Loch wieder und an der Stelle war wieder trittfester Felsen. Ich wunderte mich und scherzte mit mir selbst, das müsse wohl ein Tagtraum gewesen sein.
Ein eindringlich dichter und sinnlicher Traum.
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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