Gratler

Begriffe

Gleich vorweg: Gratler darf man niemanden nennen, will man nicht wegen Herabwürdigung vor Gericht gezerrt werden, zumindest in Deutschland, wie das 2007 ein Münchner Gericht feststellte. Und das, obwohl Gratler sich in zunehmendem Maße dort finden und erstaunlich mehren, wo man sie zunächst nicht vermuten würde, in der neureichen Schickeria ebenso wie unter Parteifunktionären, selbst – und das ist erstaunlich – unter jenem gesellschaftlichen Völkchen, das sich zu den oberen Zehntausend zählt. Ergänzend, weil schon öfter erwähnt, sei hinzugefügt, dass sich dort auch Fälle funktionalen Analphabetentums häufen.

Was, besser, wer sind Gratler oder Grattler oder wie auch immer?

Es ist immer die Gesinnung, die den Gratler ausmacht meint Gerhard Polt.

Jedenfalls sind Gratler nicht mit Grantlern zu verwechseln, wenngleich nicht selten Grantler, wenn sie das notorisch sind, als Gratler enden.

Ohne auf die Ethymologie des Wortes und seiner Herkunft von ‚Kratteln’ einzugehen, wird seit einigen Generationen der Begriff abschätzig für Menschen genutzt, die sich, aus der Sicht Besitzender und Vermögender, gewissermaßen durchs Leben schnorren und in asozialer Weise vor allem ihren Vorteil suchen, ungeachtet dessen, was sich daraus für andere und anderes ergeben mag. Aus der Sicht bayrischer Großbauern: Leute, die nichts haben und die nichts sind.

Darin hat sich der heutige Sprachgebrauch vom ursprünglichen deutlich entfernt. Geblieben ist, dass Gratler als asozial gelten, als ausschließlich auf den eigenen Vorteil bedacht, als rücksichtlose Zeitgenossen, kulturvergessen oder kulturlos, jedoch durchaus abgekoppelt von Einkommen, Vermögen und Rang. Es gibt also auch Milliardäre, die grateln.

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