Nicht einmal Nichts

Traum #250501

Traum

Traumnotiz. Ein heller Raum mit einer Tür. Hinter der Tür war es schwarz. Zunächst dachte ich, es wäre ein dunkler, finsterer Raum. Doch mich irritierte, dass dieser Raum keinen Klang, keine noch so stille Resonanz hatte. Wenn ich in Räume komme, selbst bei geschlossenen Augen, lassen sich für mich Räume unterscheiden, "klingt" ein Raum anders, wenn ein Fenster offen oder angelehnt ist, oder eine Tür - selbst wenn von Draußen kein Laut zu hören ist. Es ist, als wäre man innerhalb eines Resonanzkörpers, mal gleichförmig, mal größer, mal mit mehr oder weniger abgedecktem Schallloch, mal mit mehreren Schalllöchern, Öffnungen, gleichförmig, unförmig. Diese Resonanz nehme ich körperlich wahr.

Hinter der Tür, das wurde mir klar, war kein Raum. Das Schwarz war keine Finsternis. Die Tür gab den Blick frei in ein "Nichts", wobei es selbst das nicht gab, wie mir bewusst wurde. Es war ungeheuer faszinierend. Ich stand an der Schwelle, hatte aber zu keiner Zeit die Absicht, durch die Tür zu gehen, selbst anfänglich nicht. Der Türraum weitete sich in meiner Wahrnehmung und ich stand diesem „Nicht-Raum” gegenüber, war ganz fasziniert und gefangen genommen davon.

Ein Nach-Gedanke: Umgangssprachlich würde man es Nichts nennen, was ich da hinter der Türe erlebte. Aber auch Nichts ist nicht nichts, würde also das Erlebnis nicht erfassen. Es kann dafür keinen Namen geben, denn alles, was zu benennen ist hat sein Sein und tritt letztlich als Seiendes in Erscheinung (onthologische Differenz). Es scheint wie mit dem Namen Gottes zu sein. Das Verbot, den Namen Gottes auszusprechen, wird zumeist mit Verweis auf das Arkanum erklärt, also als Hüten des Geheimnisses oder auch damit, dass man Gott noch viel weniger mit Namen ansprechen dürfe als eine hochgestellte Person. Das alles scheint mir zu vordergründig. Es geht wohl darum, dass - egal welcher Name bemüht wird - er etwas bezeichnet, das aber nicht das ist, was es als Bezeichnetes meint und als solches in Erscheinung treten soll/ kann. Insofern könnte die Begegnung im Traum auch eine Art Gotteserfahrung gewesen sein.
(Diesem Gedanken bin ich in meinem Denktagebuch weiter nachgegangen; vorerst ist der Beitrag noch nicht veröffentlicht.)

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