In der Unteren Mühlgasse, zwischen Volkswinkler und Auer, eine Böschung hinunter, im Zwickel mit einer landwirtschaftlichen Zufahrt zu den Wiesen, stand, damals schon nicht mehr in Gebrauch und mit ersten Spuren eines Verfalls, eine kleine Holzhütte, das Waschhaus, kleiner als eine Garage heutigen Ausmaßes.

Ich war noch ein kleiner Bub von vielleicht vier Jahren, als ich es für mich entdeckte. Kaum hundert Meter von unserem Haus entfernt. Aber in diesem Alter – zumindest damals – war die Erkundung einer so versteckten, verlassenen Hütte ein kleines Abenteuer.

Im Inneren, in das ich mich zaghaft wagte, war es finster, roch eigenartig und ich hörte Wasser fließen. Ein kleiner Bach war durch die Hütte zum Wäschewaschen geleitet worden. Es gab dort einen großen Bottich, es kann auch ein Steingrand gewesen sein, einige hölzerne Stellagen, teils schon arg in Mitleidenschaft gezogen. Dass es ein Waschhaus war, das wusste ich nicht, schließlich hatte ich so etwas zuvor noch nicht gesehen. Davon erfuhr ich erst später. Ich erinnere mich, dass das Wasser, in das ich meine Hände streckte, eiskalt war. Es muss wohl auch einen Ofen gegeben haben, um das Wasser im Bottich zu erhitzen, aber daran erinnere ich mich nicht mehr. Sehr wohl aber erinnere ich mich daran, dass ich auf einer Erkundungstour versenkt im Becken einen Sack entdeckte. Ich dachte zuerst an einen Schatz, der hier versteckt worden sein könnte. Als ich den Sack herausholte und öffnete fand ich darin halb verweste junge Katzen, die jemand im Waschhaus ertränkt hatte. Ich erinnere mich noch an den Schock. Noch nie zuvor hatte ich so etwas gesehen. Ich ließ den Sack fallen und lief davon. Da mich dieses Erlebnis nicht los ließ, schlich ich mich zwei Tage später wieder hin. Es war Sommer und die verwesenden Kadaver verströmten schon einen heftigen Geruch, der mich unerwartet traf und wie schon die Bilder zuvor erneut völlig in Aufregung versetzte. Diese Eindrücke sind in meiner Erinnerung heute noch sehr gegenwärtig.

Derselbe kleine Bach, der das Waschhaus speiste, der Aldersbach (?), floss den Hügel hinunter, entlang einer Geländefalte einem größeren Bach zu, um dann schließlich im Grenzbach, eigentlich Osterbach, zu münden. Ich erinnere mich, dass dieses Bächlein an manchen Tagen blutrot gefärbt war und das Wasser schäumte. Es roch intensiv. Und obwohl wir Kinder hier gerne spielten, Wasserräder in den Bach setzten und mit bloßen Füßen darin entlang streiften, traute sich niemand hinein, wenn es wieder einmal so anders war, für uns durchaus bedrohlich. Denn dass das etwas mit Blut zu tun hatte, war uns schnell klar. Wir dachten an wilde Geschichten, dass jemand umgebracht worden sein könnte, getrauten uns aber nicht, dem Bauchlauf zu folgen, um die Ursache auszukundschaften. Bald brachten wir in Erfahrung, dass es von den Metzgereien im Markt kam. An Schlachttagen wurde das Blut, so es nicht verwurstet wurde, beim Reinigen in Abflüsse gespült, die, ungeklärt damals, direkt jenen kleinen Bach verschmutzten.

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