Ich flaniere durch eine südländische, mittelalterliche Stadt, wo sich mit den verengenden Straßen zu Gassen auch die Architektur von Stein- zu Lehmbauten veränderte, die gepflasterte Straße zu einer sandigen, unebenen Gasse wurde. Obwohl ich niemandem begegnete, schien es voller Leben. Schließlich erkannte ich am Ende der Gasse ein Tor, eine Art Stadttor. Die Gasse fiel zum Tor hin ab und war wohl durch Starkregen, der durch das Tor schlug, leicht ausgewaschen und durch die Steine etwas rutschig. Als ich an der Schwelle des Tors zu Stehen kam, öffnete sich ein sagenhaft weiter Blick in einen ganz fernen Horizont, der nicht sichtbar war, denn dort berührte sich das Schwarz des Himmels, wohl ein aufziehendes Unwetter mit dem Schwarz eines nicht überschaubaren Ozeans. Näher waren es schöne helle Kumuluswolken, durch die das Spätnachmittagslicht auf die hohe Stadtmauer fiel, durch die mein Tor der einzige Durchbruch war. Vor mir fiel das Gelände steil ab. Ein mit Geröll, kleinen Felsen übersäter Abhang ging in eine Fläche über, wie ein riesiger steinerner Strand, weit auslaufend. Auf ihn rollten, vom schwarzen Horizont her kommend Wellen zu, mit weißen Schaumkronen. Es war ein großartiges Bild und Schauspiel. Vor lauter Staunen war ich etwas über die Schwelle geraten und kam unvermittelt ins Rutschen. Mit Mühe konnte ich mich auf die Schwelle zurück retten. Der Schrecken und die Angst verblassten schnell angesichts des Erlebnisses, das sich mir bot. Diese Bilder sind noch so präsent, auch die atemberaubende Stille. Ich war so glücklich. Es fühlte sich an, als sei ich im Traum ans Ende der Welt gelangt. Ich sah den Rand der Welt und dahinter sah ich nichts, nur Schwarz.

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