Wir nutzen Zeitungen aus unserem Stapel gelesener Zeitungen, um unseren Biomüll zu verpacken, bevor wir ihn in die Biotonne vorm Haus werfen. Dieser Stapel war über die Jahre zu einer beachtlichen Größe angewachsen, bis wir uns für eine Onlineausgabe entschieden. Seither schrumpft der Stapel kontinuierlich.

Beim Verpacken des Biomülls überfliegen wir die Seiten aus der Zeitung und gar nicht so selten kommt es vor, dass wir längst vergangene Meldungen, Kommentare, Essays und Buchbesprechungen nachlesen. In gewisser Weise ist das jedes mal eine Zeitreise in die Vergangenheit. Es gibt dabei ab und an erstaunliche Deja-vus.

Heute, wir sind im Jahr 2015 angelangt, genauer bei der Ausgabe der DIE ZEIT vom 19.11.2015 - ein Zufall, dass fast genau acht Jahre vergangen sind, seit wir sie als aktuelle Ausgabe gelesen hatten. Die Seite 51 im Feuilleton ist überschrieben: "Terror – Was jetzt zu tun ist". Der Artikel titelt: "Lasst Sie nicht gewinnen!. Wer wissen will, wie mit einem feindichen Umfeld zu verfahren ist, schaue nach Israel". Die Autorin ist Eva Illouz.

Auslöser des Artikels waren die Terrorangriffe in Paris vier Tage zuvor, am 15.11.2015, auf Cafés, Bars, im Stade de France und vor allem das Massaker im Bataclan-Theater am Boulevard Voltaire.

Acht Jahre später schockierten uns die Massaker der Hamas in Israel an jüdischen Babies, Kindern, Alten, Frauen und Männern vom 7. 10.2023 und schockiert uns der Krieg, den diese auslösten, schockiert das große Leid der Zivilbevölkerung, ebenfalls unschuldige Babies, Kinder, Alte, Frauen und Männer auf palästinensischer Seite in Gaza.

Gerade in dieser Situation ist die Analyse von Eva Illouz aufschlussreich. Sie unterscheidet den Terror der Hamas, der politisch motiviert ist (Befreiung Palästinas) vom Terror islamistischer Terroristen, der kulturelle Gründe hat, die Zerstörung unserer demokratischen, liberalen Gesellschaften. Illouz warnt aber davor, dass sich der Terror der Hamas durchaus über die politischen Ziele hinaus zu einen Kampf aus Hass gegen den „Westen” und dessen Werte entwickeln könnte. Zu einer solchen Entwicklung kann der menschenverachtende Krieg in Gaza wie ein Brandbeschleuniger wirken.

Wovor Eva Illouz ebenso warnt ist ein Sicherheitsfetischismus als Antwort auf den Terror. Sie schließt mit einem Appell: "Es bleibt zu hoffen, dass Europa diese Gelegenheit zu einer Neukonzeption der Weltpoliik ergreifen und nicht den einfacheren, aber weniger sicheren Weg der Sicherheitsfixierung gehen wird". Nach dem Gaza-Krieg 2014 und nach Bataclan hat man aber genau darauf gesetzt. Hoffentlich wird man acht Jahre später und nach vielen Tausenden toten Zivilisten auf beiden Seiten andere Schlüsse ziehen.

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