Hannah Arendts Einstellung zum „radikal Bösen” hat sich im Laufe der Jahre verändert.
In einem Brief an Gershom Scholem von 1963 meinte sie:

Ich bin in der Tat heute der Meinung, dass das Böse immer nur extrem ist, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ganze Welt verwüsten, gerade weil es wie ein Pilz an der Oberfläche weiterwuchert. Tief aber, und radikal ist immer nur das Gute.
Arendt an Gershom Scholem, New York, 20. Juli 1963)

In einem Eintrag vom April 1953, also zehn Jahre zuvor, war sie entgegengesetzter Meinung:

"Es gibt das radikal Böse, aber nicht das radikal Gute. Das radikal Böse entsteht immer, wenn ein radikal Gutes gewollt wird."
Denktagebuch, Heft XIV, 32, April 1953

Das ist eine anregend aufschlussreiche Entwicklung. Was also hat es auf sich mit dem „radikal Bösen”?

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