Harald Weinrich sieht in Hans Blumenbergs „Lebenszeit und Weltzeit” (1986) einen kleinen Abschnitt als besonders bemerkenswert.1 Dort führt er unter "Die Kongruenz von Lebenszeit und Weltzeit als Wahn” 2 2 bezogen auf Hitler aus, dass dieser versuchte, seiner Lebenszeit „durch einen Akt äußerster Gewalt das übermenschliche Volumen der Weltzeit zu geben, wenigstens in der weltzeitlichen Dimension der Weltgeschichte." 3

Bezogen auf Blumenberg schreibt Weinrich:4

[…] dass Hitler in dieser Zeit des Krieges allem Anschein nach von der Vorstellung oder Zwangsvorstellung besessen gewesen ist, er allein müsse noch in der knappen Spanne seiner eigenen Lebenszeit die große und endgültige Fixierung der Weltzeit auf die Errichtung eines deutschen oder germanischen Weltreiches zuwege bringen, und zwar mit den Übergeschwindigkeiten eines Weltkrieges.

Ganz den Eindruck macht Putin, der wohl glaubt der einzige zu sein, der die Sowjetrepublik wiederherstellen kann und davon ausgeht, dass das seine lebenszeitliche Mission ist. Genau das macht ihn gefährlich.


  1. Weinrich, Harald (2005): Knappe Zeit. Kunst und Ökonomie des befristeten Lebens, S. 159-163  

  2. Bluemenberg, Hans (1986): Lebenszeit und Weltzeit, S. 80-85 

  3. Weinrich, Harald (2005): Knappe Zeit. Kunst und Ökonomie des befristeten Lebens, S. 163 

  4. ebd. 

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