Erinnerungen sind nachträglich. Dennoch wundert es mich, dass es viele teils sehr unterschiedliche Erinnerungen an eine gemeinsame, intensiv gelebte Zeit gibt. Nicht nur, dass Unterschiedliches erinnert wird, es wird auch unterschiedlich erinnert. Dann ist es die Körperhaltung, die Art des Lachens Jemandes, und man ist getriggert und verstört, weil nun etwas gefühlt wird, was nicht ganz in Deckung mit dem Erinnerten gebracht werden kann und man spürt, dass dieses Irritierende schnell wieder abtauchen möchte.

Ginge es nur um Geschehenes, wäre es einerlei. Aber es geht, zumindest ist es bei mir der Fall, um mehr, um die Frage, ob die Legende des eigenen, heutigen Selbsterlebnisses etwas verdeckt und das Erinnerte eben nicht unbedingt jenes Prägende war, das man unterstellt und von wo aus man glaubte, das Eigene verstehen zu können. Aber ist das wichtig?

Ist eine Art hermeneutischer Zugang zum eigenen Leben nicht versponnen?

Vorheriger Beitrag Nächster Beitrag