Woher auch immer mein innerer Anspruch kam, ein Buch nach dem anderen lesen zu müssen, es hatte seine Tücken. Es entwickelte sich in der Praxis eine Art Schachtellesen. Das eine Buch noch nicht ganz zu Ende gelesen, wird zur Seite gelegt, weil sich ein anderes in den Vordergrund drängt, wobei es diesem meist nicht anders ergeht. Ein unbefriedigendes Lesevergnügen - zum einen wegen des schlechten Gewissens und zum anderen, weil vieles auf diese Weise angelesen bleibt.
Nun las ich im Briefwechsel von Pier Paulo Pasolini, in einem Brief an Garzanti vom Januar 1967, dass er an sieben (!) Büchern gleichzeitig arbeitete, also schrieb, redigierte, überarbeitete und so fort. Wenn also Pier Paulo Pasolini an sieben Büchern gleichzeitig schreiben kann, warum sollte ich dann nicht mehrere Bücher parallel lesen können? Nun liegen Bücher nebeneinander am Tisch. Ich lese eine Weile in einem, lege es zu Seite und nehme ein anderes zu Hand. Manche Bücher lese ich gerne am Vormittag, weil sie meine ganz Aufmerksamkeit brauchen, andere zu anderen Zeiten. Aber auch bei Schönwetter bevorzuge ich Bücher, die ich weniger gerne bei trübem Wetter lese und umgekehrt. Damit ist das Lesevergnügen noch größer und reichhaltiger geworden.
Übrigens; den Briefwechsel von Pier Paolo Pasolini kann ich empfehlen. Ich lese meist einige Briefe nach dem Frühstück, bevor ich mich aufmache: Pasolini, Pier Paolo (1991): „Ich bin eine Kraft des Vergangenen ...“: Briefe 1940 - 1975. Herausgegeben von Nico Naldini. Berlin: Wagenbach.
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