Kürzlich bin ich über den Begriff „Kontraphobie” gestolpert. Das Phänomen war mir lange bekannt, bevor ich nun den terminus technicus erlas. Laut Wikipedia kennzeichnet das ein Verhalten, bei dem die innere Gefühlswelt und das äußeres Erscheinungsbild eines Menschen in einen eklatanten Gegensatz treten. Es geht um Überkompensation von Angst.

Es wundert mich also nicht, dass die allgegenwärtige Aggression bei vielen Menschen nur eine kontraphobische Überreaktion ist, eben weil diese Leute so voller Angst stecken und nicht damit umgehen können, hilflos sind. Viele flüchten auch in radikale, rechtsradikale oder linksradikale Lager, weil sie die Gewalt als vermeintliches Mittel Kontrolle zu erlangen missverstehen, eine Kontrolle über ihr Leben und ihre Umgebung, die sie schon lange verloren haben. Aber Kontraphobie ist nicht nur eine Zwangsstörung, sondern am Ende erreicht kontraphobisches Verhalten genau das Gegenteil dessen, was es bezwecken soll. Angst wird größer werden, bei manchen vielleicht auch die Angstlust.

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