Die Gefahr einen Ansteckung mit Sars-CoV2, also Covid oder Corona ist zweifellos gegeben, trotz aller Umsicht und Vorsicht. Rational betrachtet ist die Gefahr eines tödlichen Verlaufs allerdings gering, in meinem Fall wohl nicht höher, als bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen. Davor habe ich keine Angst. Angst habe ich vielmehr davor, bei einer, auch leichteren Infektion meinen Geruchssinn und meinen Geschmackssinn zu verlieren, nicht weil ich eine feine Nase und empfindliche Geschmackskospen hätte und um Essens- und Trinkfreuden fürchtete. Das weniger. Aber über den Geruchssinn und Geschmackssinn, vor allem aber über den Geruchssinn habe ich Zugang zu einem Gedächtnis, zu dem ich ansonsten keinen Zugang finde. Bei Gerüchen überfallen mich häufig, wie im Flash, Erinnerungen, manchmal verbunden mit fotografischen, sehr detaillierten Bildern, Klängen und wiederum Gerüchen und – was immer wieder überraschend ist – Gefühlen und Erregungszuständen, wie ich sie damals wohl hatte. Ich empfinde das als ein großes Geschenk.
Was aber, wenn dieser Geruchssinn, der mir diese Erinnerungswelt erschließt, durch Covid plötzlich, vorübergehend oder schlimmer noch, dauerhaft verloren ginge? Ich würde nicht nur die Welt der Gerüche verlieren, sondern Zugang zu allen meinen vitalen Erinnerungen. Das ist es, was mir im Zusammenhang mit Corvona Angst macht.
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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