Die Musik von Astor Piazzola begleitet mich seit meinen Studienzeiten Anfang der Achtziger Jahre. Als ich kürzlich „Los Pajaros Perdidos” hörte, eine Aufnahme von Milva und Piazzola, schon nach den ersten Takten, spülte mich dies in eine intensive Körpererinnerung. Das Gefühl, in einem Bett mit Satinbezügen zu liegen, das Spüren, wie die rauhen Fersen auf Satin fast ein wenig kratzen. Da hatte ich erstmals und viel und vor allem begeistert Astor Piazzola gehört. Das Hören des Liedes, speziell dieses Liedes, hat diese Körpererinnerung wach gerufen.

Hätte mich jemand gefragt, wann und unter welchen Umständen ich Astor Piazzola erstmals gehört und welches Lied mir besonders gefallen hätte, ich hätte die Frage nicht beantworten können. Satin, den kühlen, glatten, dunkelblau-violetten Bezug, den Geruch, all das wäre mir in meinem chronikalischen Gedächtnis sicherlich nicht eingefallen.

Ich hoffe, dass meine Sinnessensoren, die im Alter wohl abbauen, noch lange erhalten bleiben, denn mit ihnen würde ich wohl den größten Teil meiner reichen und vielschichtigen Erinnerungen verlieren.

Ich hatte nie den Text von „Los Pajaros Perdidos” übersetzt und kannte den Inhalt des Liedes nicht. Im Zusammenhang mit diesem Eintrag habe ich mir den Text besorgt und übersetzt. Und wieder ist mir zugefallen, dass dieser Text erstaunlich gut die Situation beschreibt, einen inneren Dialog zwischen dem, der ich heute bin, mit dem, der ich damals war, verbunden durch eine intensive Erinnerung:

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