Schranzen - wie lange habe ich das Wort nicht mehr gehört, obwohl es doch so treffsicher auf immer mehr Zeitgenossen zutrifft. Opportunisten nannte ich sie, obwohl sie doch eher Schranzen sind. Wobei opportunistisches Verhalten Schranzen wohl im Blut liegt. Sagen wir so: Alle Schranzen sind Opportunisten, aber nicht jeder Opportunist ist ein Schranz. Wenn sich z.B. Menschen in prekären Lebenslagen opportunistisch verhalten, um ihre wirtschaftliche Situation und damit ihre Daseinssicherung nicht zu gefährden, sind sie noch lange keine Schranzen. Wenn aber Menschen sich um ihrer Karriere willen oder ihrer Eitelkeit willen opportunistisch verhalten, quasi um dazu zu gehören, dann sind das eben Schranzen.
Schranzen haben Konjunktur. Fakes sind salonfähig geworden und Mittelmäßigkeit ist für eine Karriere schon längst kein Hindernis mehr. Mediokrität scheint fast schon trendig. So erstaunt es nicht, dass unter Akademikern die Zahl mediokrer Titelträger in den letzten Jahren stark zugenommen hat und selbst funktionaler Analphabetismus in diesen Kreisen eine nicht mehr zu kaschierende Tatsache darstellt.
Kleinbürger, die sich, ihrem Naturell entsprechend, gerne für besser halten als andere und für die soziale Distinktion eine Lebenserfordernis darzustellen scheint, sind geborene Schranzen. Keine Frage, Neureiche zähle ich zu Kleinbürgern, auch wenn ihr Einkommen oder Vermögen das durchschnittliche Einkommen und Vermögen von klassischen Kleinbürgern übersteigt. Aber geistig, kulturell und sozial sind sie doch Kleinbürger geblieben, häufig geadelt durch Brosamen, die Schranzen vom Tisch sogenannter Höhergestellter zufallen, wenn sie an Katzentischen sitzend, sich darüber auslassen, wie gut es ihnen doch ginge, und um wie viel privilegierter sie gegenüber Bürgern seien. Dumm und nichts dazu gelernt - Schranzen eben.
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