Es ist verstörend, wenn die israelische Regierung und die Oppositionsparteien die maßlose Gewalt in Gaza mit zuletzt über 30.000 Toten mit Verweis auf die 1.200 Opfer des perfiden und brutalen Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 rechtfertigen wollen. Schon wenige Wochen nachdem die israelische Armee den Krieg nach Gaza getragen hatte, kritisierten internationale Organisationen die überschießende Notwehr, andere sprachen von maßloser Rache. Wieder andere sahen die Opfer vom 7. Oktober durch ultraorthodoxe Rechte instrumentalisiert, die Palästinenser aus dem Westjordanland vertreiben und Gaza wieder mit israelischen Siedlern besiedeln wollen.

Eines ist unumstritten: Die Gewalt gegen die Palästinenser ist von unerträglicher Unverhältnismäßigkeit und durch nichts zu rechtfertigen. Diese Gewalt steht in krassem Widerspruch zum Völkerrecht, den Menschenrechten, zum eigenen Recht und insbesondere auch zu den Gebote Jahwes, auf den sich die ultraorthodoxe Rechte ständig beruft. ständig beruft.

Stirbt sie daran, dann gilt: Leben um Leben, Auge um Auge, Zahn um Zahn, Hand um Hand, Fuß um Fuß, Brandmal um Brandmal, Wunde um Wunde, Strieme um Strieme."   Ex 21.23-25
Weitere Belegstellen für das Talionsprinzip Auge um Auge: Ps 7.5; 109; Weish 17.3; Sir 21.10B; Joel 4.4; Ob 15.

Das uns heute atavistisch anmutende Talionsprinzip Auge um Auge, Zahn um Zahn et cetera war als Rechtsgrundsatz bereits im sumerischen Recht (Codex Lipit-Ischtar, um 1930 v.Chr.) und im altbabylonischen Recht (Codex Hamurabi, um 1750 v.Chr.) verankert, was einen gewaltigen zivilisatorischen Fortschritt bedeutete. Es galt, exzessive Gewalt, Blutrache über Generationen zu unterbinden. Damit wurde das Recht auf Vergeltung an das Prinzip der Verhältnismäßigkeit gebunden. Diese Rechtsvorstellung übernahmen die Stämme Israels:

Selbst diesen uralten und biblisch verankerten Rechtsgrundsatz haben die israelische Regierung unter Netanjahu, das Kriegskabinett, unwidersprochen von der Opposition und großer Teile der jüdischen Bevölkerung, missachtet - von zivilisierteren Rechtsgrundsätzen ganz zu schweigen. Die Eskalation der Gewalt in Gaza ist durch nichts zu rechtfertigen, steht ausdrücklich im Widerspruch zum Tanach, den heiligen Schriften des Judentums. Die Berufung auf Jahwe ist blasphemisch.

Dass am 7. Oktober Terroristen der Terrororganisation Hamas Menschen brutal und teils bestialisch ermordet haben wird durch die Feststellung nicht bagatellisiert, dass der Krieg, den Israel in Gaza führt, ebenfalls menschenrechtswidrig, brutal und rücksichtslos ist, barbarisch und durch nichts, auch nicht das biblische Talionsprinzip zu rechtfertigen ist.

Sowohl die Hamas wie die Regierung Israels müssen vor dem Internationale Gerichtshof angeklagt und von diesem verurteilt werden.

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