Angesichts vielfältiger Formen von Ausbeutung, Betrug, Unaufrichtigkeit, Übervorteilung sowie weidlichem Gebrauchs sogenannter „Alternativer Fakten”, schamlosen Gebrauchs von „Fake News” zum eigenen Vorteil auf Kosten anderer, Missbrauch des Rechts, Bedrohung und Formen von Erpressung, schwindet bei vielen Menschen das Vertrauen und die Bereitschaft, ohne Misstrauen auf andere zuzugehen, Geschäfte zu machen und sich auf etwas einzulassen, was nicht im gewohnten, erprobten und bewährten Erfahrungsraum zu verorten ist.
Vertrauensschwund schadet nicht nur der Gesellschaft und der Wirtschaft, es besteht auch die Gefahr einer psychischen Beeinträchtigung bis hin zur Persönlichkeitsstörung. Habitualisiertes Misstrauen lässt sich nur sehr schwer aufhellen.
Maßgeblich verantwortlich am allgemeinen Vertrauensverlust ist die Politik. Nicht nur, dass Politiker:innen und Parteien sich gegenseitig des Lügens bezichtigen, der Unlauterkeit, des Betrugs, der Korruption und so weiter, es werden, gerade in Österreich eine Vielzahl staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen gegen Politiker:innen und Parteien geführt, die teils bereits zu Verurteilungen geführt haben.
Darüber hinaus wird deutlich, dass Politik mit Moral oder Ethik wenig zu schaffen hat, die Wertbeteuerung in Parteiprogrammen und der Parteiwerbung großteils Lügen strafend. Als eines der prominentesten Beispiele der letzten Jahre wäre für Österreich die sogenannte „Ibiza-Affäre” zu nennen oder die intrigante Demontage des eigenen Parteiobmanns durch Sebastian Kurz und dessen Entourage mittels äußerst dubioser Manipulationen der öffentlichen Meinung, vulgo interner Putsch, um Bundeskanzler zu werden.
Wer Medien verfolgt erfährt, dass seit Jahrzehnten das Rechtssystem geschwächt wird, in dem erforderliche Budgetmittel vorenthalten werden, was zu einer Überforderung der Justiz geführt hat und damit zu überlangen Verfahren, die sich meist über Jahr hinziehen und damit das Gefühl von Rechtsunsicherheit hervorrufen.
Politiker:innen und Parteien greifen das Rechtssystem, die Justiz und ihre Organe offen an, schüren Misstrauen gegen sie und bezichtigen es selbst widerrechtlicher Handlungen, der Willkür und der Parteilichkeit.
Dass Politiker:innen und Parteien ihre Ansichten und Meinungen je nach Opportunität wechseln, dass vor Wahlen Zusicherungen gegeben werden, die nach Wahlen nicht mehr gelten, mit Umgehungsstrategien bemäntelt werden, dass also nachher nicht mehr gilt, was vorher suggeriert, gesagt oder versprochen wurde, lässt sie als verlogen und berechnend erscheinen. Viele Bürger:innen fühlen sich durch Politiker:innen und ihren Parteien getäuscht, vielen steht die Ent-Täuschung noch bevor.
Der Konzern Exxon wusste nachweislich bereits seit den 70er Jahren, dass eine Fortsetzung der Ausbeutung von Ressourcen und Umweltzerstörung unter anderem zur Klimakrise führen werden [sic! Indikativ]. Dessen ungeachtet hielt der Konzern nicht nur an seinem Kurs fest, sondern leugnete auch noch öffentlich die eigenen Erkenntnisse. Das zerstört das Vertrauen von Menschen in diese Konzerne und über sie hinaus in die Wirtschaft. Die Menschen erkennen, dass Unternehmen und Konzerne um eines Profits Willen Umweltzerstörung und Klimakrise in Kauf nehmen und dabei wider besseren Wissen ihre Kunde:innen und die Weltöffentlichkeit anlügen. Exxon ist ein Unternehmen unter sehr vielen, die das Vertrauen von Menschen ausbeuten.
Produktversprechen lösen viele Unternehmen nicht konsequent ein. Man ist gut beraten, den Produktversprechen zunächst nicht zu glauben, sondern genau zu prüfen und Erfahrungen bisheriger Käufer und Nutzer zu erfragen. Aber auch hier sind Kundenbewertungen in einem so hohen Maß selbst aus Profitgier korrumpiert, dass man gut beraten ist, im Internet gänzlich darauf zu verzichten, sie zu lesen.
Die geplante Obsoleszenz ist im Grunde nichts weniger als Betrug am Käufer. Wenn ein Produkt eine geplante Sollbruchstelle hat, ein gezielt eingesetztes schnelles Verschleißteil, dann ist das schlicht Betrug. Es ist nicht nur Betrug am Kunden, sondern auch an der Gesellschaft, da eigentlich völlig intakte Produkte, die über Jahre funktionieren könnten, entsorgt oder bestenfalls recycled werden müssen. Dabei werden Rohstoffe verschwendet und Energie für die Herstellung, wird CO² verursacht. Die Politik weiß darum und unternimmt sehr wenig bis nichts dagegen, weil sie eher die Interessen der Unternehmen schützen will, als die der Kund:innen und der Umwelt oder des Klimas.
Es gibt sie also, für alle wahrnehmbar, auch wenn das von Politiker:innen bestritten wird, die Zweiklassenmedizin. Wer zur sozialen Unterschicht gehört und sich keine Wahlärzte oder Privatkliniken leisten kann, muss auf Termine beim Facharzt häufig Monate warten. Hat ein Hausarzt oder Zahnarzt seine Ordination geschlossen und gibt es keine Nachfolger:innen, dann wird es schwierig, denn Kassenordinationen nehmen schon lange keine neuen Klient:innen mehr an. Es bleiben dann nur die Ambulanzen, die - so die Pläne der Politiker:innen - künftig kostenpflichtig werden sollen. Für Familien mit Kindern ist die Situation durch einen enormen Mangel an Kinderärzten besonders herausfordernd. Wer aber ausreichend gut verdient oder vermögend ist, der bekommt bei Wahlärzten und in Privatordinationen kurzfristig Termine und wird bestens versorgt.
Mit anderen Worten, wer über ausreichend Geld verfügt hat deutlich höhere Chancen länger gesund zu bleiben und älter zu werden, als andere, die eben kein Geld haben. Die Politik verschließt davor die Augen und behauptet nach wie vor, dass Österreich eines der besten Gesundheitssysteme weltweit hat.
Ähnlich ist es im Bildungssystem. Wer es sich leisten kann, lebt meist nicht in Schulsprengeln sozialer Brennpunktbezirke. Dazu können sich finanziell besser gestellte Familien Nachhilfen für ihe Kinder leisten und Privatschulen nutzen. Die Aussichten eine erfolgreiche Bildungskarriere zu absolvieren sind bei Ärmeren geringer als bei Schüler:innen und Student:innen gut situierter Familien. Ihre Chancen im späteren Berufsleben, ihre Aussichten auf Karriere sind daher ungleich. Politiker:innen hingegen bestreiten die eklatante soziale Benachteiligung und die im System strukturell angelegte Diskriminierung der sozialen Unterschicht.
Das führt dazu, dass das Vertrauen in den Staat und in die Politik sinkt. Das Gefühl, benachteiligt zu sein, breitet sich aus.
Es ist für Laien unmöglich gut gemachte sogenannte Deep Fakes als solche zu entlarven. Man sieht ein Foto oder ein Video, hört eine Stimme und ist gewohnt, das, was man sieht, für bare Münze zu nehmen. Das ist Geschichte. Ein Foto hat für sich keinerlei Beweiskraft mehr, kann für sich nicht mehr beanspruchen, Tatsachen abzubilden.
Digitale Technik und KI können Fotos und Videos so fälschen, dass es selbst für Expert:innen schwierig ist, das zu erkennen. Selbst Stimmen lassen sich verblüffend echt fälschen, zusammen mit einem getürkten Video sagt dann womöglich ein Politiker vermeintlich etwas, das er nie im Leben tatsächlich gesagt haben würde.
So können Menschen die Orientierung verlieren, voran die politische, sind gefundene Opfer von Manipulation und Propaganda. Das muss nicht unbedingt nur durch Kriminelle oder „feindlich” gestimmte Staaten, wie aktuell durch die Russische Föderdation im Rahmen einer hybriden Kriegsführen geschehen, es kann auch durch politische Kräfte im Inland der Fall sein, durch Industrie, die so die Folgen von Klima- und Umweltzerstörung verharmlosen etc. Es können einzelne Menschen, ganze Gruppen verunglimpft werden, womöglich sogar bis vor Gericht gebracht werden.
Wem kann man also noch glauben?
Ich bin davon überzeugt, dass diese Entwicklung die größte Gefahr von Vertrauensverlust darstellt und dass Demokratien hier eine akute Gefahr droht, der sie, wenn sie nicht schnell und entschieden handelt, zum Opfer fallen könnte.
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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