So lange ich mich erinnern kann, habe ich versucht, bescheiden zu leben. Da die Kosten der Lebenshaltung so überschaubar und in bescheidenem Rahmen blieben, hatte ich auch keinen Druck, viel Geld verdienen zu müssen. Im Sinne einer Work-Life-Balance schien mir das naheliegend. Einkommen und Vermögen hatten für mich nie die Bedeutung, die sie für viele haben. Ich leite davon weder meinen Selbstwert ab noch sehe ich weder mein soziales noch kulturelles Kapital dadurch beeinträchtigt.

Wie sehr eine solche Haltung abhängig ist von verschiedenen Umständen, zeigten mir die Krisen der vergangenen Jahre. In dem Maße und in der Geschwindigkeit in der sich Lebenshaltung verteuert, kann ich im selben Tempo Einnahmen und Erträge nicht ausgleichend steigern. Diese Entwicklung kam in meinem Szenario nicht vor. In fortgeschrittenem Alter ist ein Nachjustieren auf der Einkommensseite nicht mehr so einfach und weitere Abstriche im Bereich Lebenshaltung sind auch nicht wirklich möglich, wenn man ohnehin bereits bescheiden lebt.

Meine lessons learned: Die Einkommens- und Vermögensverhältnisse sollten sich nicht an einer bescheidenen Lebensführung orientieren. Sie sollten unabhängig davon optimiert, wo möglich maximiert werden, um zumindest wirtschaftlich-gesellschaftlichen Entwicklungen etwas entgegenhalten zu können und um den eigenen Spielraum auch in Krisen deutlich beweglicher halten zu können.

Leider ist das so; denn die Einsicht führt letztlich zu einem angepassten Verhalten, zu Lasten von Klima- und Umweltschutz. Schmerzlich.

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