Ein Freund hat die Angewohnheit, aus meinen Bücherregalen Bücher, die seine Aufmerksamkeit erregen, herauszuziehen, hineinzulesen und sie dann irgendwo in der Wohnung, dort, wo er sie schließlich zugeklappt hat, liegen zu lassen. Je nach Dauer seiner Besuche liegen mehr oder weniger Bücher in der Wohnung verstreut, Bücher, die ich teils vor vielen Jahren zuletzt gelesen habe, einige davon intensiv und ganz, andere nur kursorisch und auszugsweise.
Beim Hinterherräumen muss ich jedes Buch in die Hand nehmen. Dabei gelingt es mir fast nie, auch nur ein Buch zurück ins Regal zu stellen, ohne es aufzuschlagen und hineinzublättern, quasi um mich an die Lektüre zu erinnern und die Einsichten und Erkenntnisse, das Lesevergnügen wach zu rufen. Vor einigen Jahren ging das noch ganz gut. Zuletzt kommt es jedoch immer häufiger vor, dass ich mich kaum noch erinnere. Es ist dann wie eine Neuentdeckung und entsprechend neugierig beginne ich meist zu lesen und verliere mich dann darin, mit großem Vergnügen und Gewinn.
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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