Um den Ansprüchen einer Führerstadt und Lieblingsstadt Hitlers entsprechen zu können, soll Linz neben den bereits erwähnten Funktionen als Industrie- und Handelsstadt auch Kunststadt, Hochschulstadt, Stätte ideologischer Erziehung, Fremdenverkehrsstadt und Verwaltungsstadt werden.
Im neuen historistisch gestylten, ideologischen Verwaltungs- und Freizeitzentrum soll die Macht des Staates dem Bürger in all seinen Belangen wie Partei, Militär, Wissenschaft, Freizeit und nationalem Geschichtsbewusstsein demonstriert werden. Anstatt strenger, axialer Beziehungen wünscht Adolf Hitler die einzelnen Gebäudegruppen "dem lebendigen Schwung des Stromes" anzupassen, er selbst legt die Standpunkte für die einzelnen Gebäude fest. Die Fahrt auf der Donau soll in dieser Architekturkulisse zu einem eindrucksvollen Erlebnis werden.

Die folgende Beschreibung bezieht sich auf den letzten Stand der Gieslerschen Planung von 1944/45, da diese Fassung letztendlich gebaut werden soll. Die neorenaissance, neobarocke Architekturkulisse Roderich Ficks für das rechte Donauufer hat Adolf Hitler enttäuscht dazu veranlasst, den Reichsbaurat ab 1943 nur mehr die Gestaltung der Innenstadt zu überlassen und Hermann Giesler die Planung der Monumentalbauten zu übertragen.
Das etwas über zwei Kilometer lange, monumentale Architekturszenarium beginnt auf der Linzer Seite an den steil zur Donau abfallenden Hängen des Freinberges mit einem als Führerpfalz gestalteten Alterssitz für Adolf Hitler, dem die alte Schlosskaserne weichen soll.

Stromabwärts folgen als Brückenkopf der Nibelungenbrücke die von Roderich Fick - auf der Basis eines Estermann-Entwurfes - erbauten Repräsentationsgebäude für das Wasserstraßenamt und das Oberfinanzpräsidium, dessen östlicher Flügelbau für das Finanzamt der Stadt Linz nicht mehr zur Ausführung kommt. Diese Brückenkopfbauten - die einzigen, tatsächlich gebauten monumentalen Repräsentationsgebäude - verdanken ihre Realisierung der Nibelungenbrücke, deren weit in den Bereich des Hauptplatzes hineinragende Rampe die alten Brückenkopfbauten zum Opfer fallen. Auch die tiefer gelegenen Anschlussbauten am Hauptplatz müssen abgetragen und denkmalpflegerisch im Originalstil wiedererrichtet werden. Das Oberfinanzpräsidium ist in Form eines Zwillingsbaues gestaltet, dessen Einzelteile unterirdisch verbunden sind. Seine Erdgeschosse sind durch Arkadengänge aufgeschlossen und enthalten Läden und großzügige Eingangshallen für das in den Obergeschossen liegende Oberfinanzpräsidium.
Die Nibelungenbrücke - Ende 1940 dem Verkehr übergeben - wird von Ingenieur Schächterle und dem Architekten Tamms als Trägerrostbrücke auf zwei Stützen mit einer Breite von 30 Metern entworfen. Die vier - beim Bildhauer Graf Plettenberg für den Brückenschmuck in Auftrag gegebenen - Granitstandbilder mit den monumentalen Figuren von Siegfried, Kriemhild, Gunther und Brunhild aus dem Nibelungenlied kommen nicht mehr zur Ausführung. Anlässlich eines Führerbesuches werden zwei der Standbilder im Maßstab 1:1 von Plettenberg in Gips modelliert und auf der Brücke für einige Monate aufgestellt.

Das von Reichsbaurat Fick bereits bis ins Detail durchgearbeitete Führerhotel, ein 160x80 Meter großes und 30 Meter hohes Gebäude, soll mit einem großen, davor liegenden Hotelplatz den östlichen Abschluss des Linzer Brückenkopfes bilden. Es enthält alle Einrichtungen eines 377-Betten-Hotels, mit Empfangshalle, zentralen Gesellschaftsräumen, Konzertkaffee mit Kaffeeterrasse an der Donau und einem Vergnügungsbetrieb mit Kabarett, Tanzdiele, Bierkeller und Weinstuben im Kellergeschoß. Eine 55 Meter breite Treppe führt vom erhöhten Platz zum Ländestreifen mit Schiffsanlegestellen für Personendampfer und Sportboote und bildet den Anschluss an die Promenade entlang der Donau.
In dem an das Donauhotel anschließenden, zeilenförmigen mit Höfen gegliederten Baukörper des so genannten "Basars", finden die Donaudampfschifffahrtsgesellschaft mit Anlegestation, weiters die Wasserschutzpolizei sowie Büros und ein Einkaufszentrum Platz.

Das achtzehn Geschosse hohe KdF(Kraft durch Freude)-Hotel an der neu zu errichtenden Stahlhängebrücke - im Bereich des heutigen Trendhotels - wird von Hermann Giesler für eine Normalbelegung von 800 und für einen Massenbetrieb von 2.000 - 2.500 Gästen ausgelegt und soll mit dem neuen Bahnhof im Süden der Stadt durch eine Unterpflasterbahn verbunden werden. Auch ist daran gedacht, von hier aus die Urlaubsreisen der KdF-Organisation bis zum Schwarzen Meer zu organisieren.
Stromabwärts der Stahlbrücke füllen die mächtigen Baukörper für die Generaldirektion der Hermann Göringwerke und die 450 m lange Front der Technischen Hochschule den Raum bis zur dritten, als Ersatz für die bestehende Eisenbahnbrücke gedachten "Bismarckbrücke", die als Granitbogenkonstruktion ausgeführt werden soll. Die Technische Hochschule, vom Reichsbaurat von Anfang an in Verbindung mit dem Petrinum auf dem Pöstlingberg gedacht, findet hier erst nach 1943 auf Anraten von Hermann Giesler seine endgültige Situierung. Danach erstrecken sich am Linzer Donauufer ein Marinehafen für die Donauflottille, die Schiffswerft und die über mehrere Kilometer reichenden, weiträumigen Hafen- und Industrieanlagen.

Auf der gegenüberliegenden Stromseite in Urfahr setzt Hermann Giesler hoch über den Urfahr-Wänden auf dem Spatzenberg einen ersten Akzent mit einem stiftähnlichen, neubarocken Bau für die Nationalpolitische Erziehungsanstalt, die "Adolf Hitler-Schule". Den Übergang zum neuen Rathaus an der Nibelungenbrücke bilden die Gästehäuser der Industrie, die bewusst weit entfernt von den Hermann Göringwerken am anderen Ende der Donauuferbebaung angelegt werden, um den Gästen mit dem geplanten Barkassenverkehr auf der Donau den rechten Eindruck der neuen Kulturmetropole zu vermitteln.
Der Rathausneubau an der Nibelungenbrücke mit einer Gesamtlänge von etwa 300 Metern besteht aus einem in Ziegel- und Werksteinen gedachten, repräsentativen Stadthaus, dem lang gestreckten, stromaufwärts liegenden sog. "Technischen Rathaus" für die Stadtverwaltung und einem mittels Arkaden an das Stadthaus angeschlossenen, vierzehngeschossigen Rathausturm am denkmalgeschmückten Kepplerplatz, der die Kreisleitung der NSDAP aufnehmen und ein Uhrenspiel erhalten soll. Die Rundbogenfassade der von Hitler sehr bewunderten Wiener Oper ist Vorbild für seine Stadthausskizzen. Es ist nur für repräsentative Zwecke gedacht und nimmt neben einem Goldenen Saal und dem Ratsherrensaal die Repräsentationsräume des Bürgermeisters und außerdem große Gewölbe zur Ausstellung von Waffen, Kanonen und Fahnen aus den Bauernkriegen auf, weiters einen Ratskeller mit Festsälen, eine Silberkammer, das Standesamt mit Festtrauungssaal und einen nach oben geschlossenen Arkadenhof für die Aufführung von Serenaden.
Den Höhepunkt der Urfahrer Architekturkulisse will Adolf Hitler mit der sich über 450 Meter am Ufer erstreckenden Gauanlage erreichen. Sie besteht aus einem Bau für den Reichsstatthalter an der Brücke, dem riesigen Komplex für die Gauleitung, der sich um mehrere Innenhöfe gliedert, und aus der mächtigen Gaufesthalle für 30.000-35000 Besucher. Diese Anlage umschließt einen großen Aufmarschplatz für 100.000 Personen, den als Wahrzeichen der Stadt und Krönung des gesamten Verwaltungsforums ein Glockenturm mit einer Höhe von 162 Metern - höher als der Stephansdom - überragt. Die Gewölbe des Turmes sind als letzte Ruhestätte für die Eltern Hitlers bestimmt, haben sie doch "großes für die deutsche Nation geleistet". Der riesige Platz steht mit einer breiten von zwei weiteren Nibelungenstandbildern geschmückten Freitreppenanlage unmittelbar mit der Nibelungenbrücke in Verbindung.
Bis über den Bereich der Mittelbrücke hinausgehend schließt an die Gaufesthalle ein großes Ausstellungsgelände an. Ausstellungshallen, Pavillons, Architekturgärten und eine Prateranlage sind hier vorgesehen. Östlich wird es von der KdF-Halle, gedacht für diverse Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen, begrenzt.
Bis zur Bismarckbrücke wird die Architekturkulisse durch das Repräsentationsgebäude der Bank für den Internationalen Zahlungsverkehr und die Bauten des Münchner Architekten Professor Oswald Bieber für das Wehrkreiskommando und eine Pionierschule gebildet.
An die Geburtsstunde des Deutschen Reiches soll als Abschluss der Monumentalfront ein Bismarckdenkmal erinnern. Der dem Pantheon in Rom nachgebildete, mächtige Kuppelbau war ursprünglich vom Architekten Professor Wilhelm Kreis für ein Denkmal in Bingen entworfen worden, für Linz wird der Kuppeldurchmesser auf 50 Meter vergrößert.
Die Gesamtwirkung dieses monumentalen Verwaltungszentrums soll mit mehreren, auf den nahe liegenden Hügelketten errichteten "Prachtbauten" noch gesteigert werden. Albert Speer wird beauftragt, nahe der Franz Josephs Aussichtswarte den Entwurf für ein Freiheitsstadion mit einem Anschlussdenkmal beizusteuern; ein Wettbewerb bringt in diesem Bereich auch Entwürfe für eine Kreisschulungsburg. Auf dem Pöstlingberg sollen die Monumentalanlage für die Technische Hochschule, eine Bildhauerschule und direkt neben der Pöstlingbergkirche nach Skizzen Adolf Hitlers ein Planetarium und ein Observatorium errichtet werden.
Hitlers Linz - Das Europäische Kunst- und Kulturzentrum im Süden der Stadt
Hitlers Linz - Planungsstellen und Planungskonzepte