Nach dem Anschluss 1938 wird Linz für kurze Zeit zur Spielwiese nationalsozialistischer Machtphantasien. Die Gründe, die dazu führen, dass - die bis dahin eher unbedeutende Stadt - über Nacht mit einigen wenigen anderen Städten zu einem Brennpunkt des Deutschen Reiches wird, liegen sicherlich nicht nur in ihrer seit alters her günstigen geografischen Lage, die entscheidend mit dazu beiträgt, hier großindustrielle Anlagen anzusiedeln.

Der Hauptgrund für den momentanen Bedeutungszuwachs in der NS-Zeit liegt wohl in den persönlichen Ambitionen, die Adolf Hitler mit - dem von ihm als Heimatstadt bezeichneten - Linz verbinden. Hier verbringt er einen Teil seiner Jugendzeit, hier wird er unter anderem in seinem Denken vom stark nationalen Milieu der Stadt geprägt, lernt im Linzer Landestheater die Musik Richard Wagners und bei Konzerten die Anton Bruckners kennen und lieben und frönt bei Ausflügen in die nähere Umgebung der Stadt seiner Leidenschaft, dem Zeichnen und Malen. Neben wenigen erhaltenen Skizzen aus dieser Zeit berichtet ein Jugendfreund von Projekten des jungen Hitler zur Verlegung des Linzer Bahnhofes aus der Stadt - von einem Projekt zur Öffnung des Hauptplatzes hin zu einer neuen Donaubrücke mit Blick auf den Pöstlingberg, einer neuen Konzerthalle, einer Erweiterung des Landesmuseums und anderen. Einige dieser Jugendträume finden sich wieder im ersten Neugestaltungsplan vom Juli 1938. Die engen Bindungen Adolf Hitlers zum Linz seiner Jugend werden auch in den Jahren von 1938 bis 1945 immer wieder bestätigt, wenn er seine Begleiter zuallererst - vor den neuen Industriebauten - zu dem von ihm bewunderten Landhaushof, dem Landestheater und zum Landesmuseum führt und über deren baukünstlerische Qualität schwärmt.
Die Träume des Braunauer Jungen erfahren für kurze Zeit Realität, als der nun zum Diktator aufgestiegene Adolf Hitler im März 1938 seine Heimat mit fremden Truppen überfällt, die Patenschaft der Stadt übernimmt und für die bis dahin natürlich gewachsene Kleinstadt eine in dieser Größenordnung noch nie dagewesene Neuplanungsphase einleitet. Linz wird 1939 neben der "Reichshauptstadt" Berlin, der "Hauptstadt der Bewegung" München, "dem Tor zur Welt" Hamburg und der "Stadt der Reichsparteitage" Nürnberg zu einer der fünf "Führerstädte", deren Ausbau als künftige Vorbilder für nationalsozialistischen Städtebau Vorrang vor allen anderen Städten des Reiches haben soll. Unter den "Führerstädten" wird Linz dabei mit propagandistischem Kalkül die Rolle der "Jugendstadt des Führers" zugeschrieben mit der Aufgabe als europäisches Kulturzentrum zwischen München und Wien Symbol für ihn selbst zu werden. Die berühmtesten Architekten des Reiches wie Albert Speer, Hermann Giesler, Leonhard Gall, Wilhelm Kreis, Paul Baumgarten, Roderich Fick, Herbert Rimpl, Oswald Bieber und andere, werden beauftragt, hier eine Mustersammlung durch die deutsche Baukunst zu planen und die Stadt in Konkurrenz zu Budapest, das Adolf Hitler immer sehr bewundert hat, zur schönsten Donaumetropole auszubauen.
Während in anderen Neugestaltungsstädten ab etwa 1943 jedwede Planungstätigkeit wegen der immer schwieriger gewordenen Kriegslage eingestellt wird, führt er sie in Linz - zusammen mit dem Architekten Hermann Giesler, den er dazu des öfteren in die Führerhauptquartiere Winniza und Wolfschanze kommen lässt - bis in die letzten Kriegstage des Jahres 1945 weiter.

Im fertig gestellten Modell der zum Teil von ihm selbst entworfenen Donauuferbebauung, das ihm Giesler Mitte Februar 1945 in der Reichskanzlei übergibt, und das er immer wieder im Führerbunker stolz allen Besuchern vorführt, findet Hitler in den letzten Wochen vor seinem Tod die Erfüllung seines Linz-Traumes, eine absurde Flucht aus der Realität des sich abzeichnenden Zusammenbruchs in eine heile Welt architektonischen Größenwahns.
Das Linzer Stadtbauamt ist in den ersten Monaten der neuen Ära vorwiegend mit Detailproblemen um die Eingliederung der neuen Industrieanlagen, den Konsequenzen aus dem Brückenneubau und dem sofort in die Wege geleiteten Wohnsiedlungsbau beschäftigt. Erst mit der Ernennung eines neuen Stadtbaudirektors in der Person des Linzer Architekten und Hitler-Mitschülers Anton Estermann wird das Stadtbauamt bis zur Berufung eines Reichsbaurates wichtigste Planungsstelle. Als oberste Planungshoheit, der alle Entwürfe vorgelegt werden müssen und Kontaktmann zu Hitler, fungiert 1938 der damals schon als Generalinspektor für die Neugestaltung der Reichshauptstadt eingesetzte Architekt Albert Speer.
Nach einem schweren Unfall von Baudirektor Estermann überträgt Adolf Hitler ab März 1939 die Stadtgestaltung einer neu geschaffenen Reichsstelle und beruft als "Reichsbaurat für die Stadt Linz" den Münchner Architekturprofessor Roderich Fick, der ihm nach dem Gesetz direkt untersteht und mit weit reichenden Kompetenzen ausgestattet wird. Unter ihm nimmt das stadtplanerische Konzept in Form des Generalbebauungsplanes bald seine endgültige Form an.
Mit der Einsetzung des Reichsbaurates beginnen aber auch harte Auseinandersetzungen des neu gekürten Stadtgestalters mit Gauleiter August Eigruber und der Stadtgemeinde Linz, die sich in ihren Kompetenzen stark eingeschränkt fühlen. Bei diesen Machtkämpfen verliert der Reichsbaurat im Laufe der Jahre viele seiner Vollmachten an den Gauleiter. Der Stadt Linz aber, die tatsächlich einen Hauptteil der Planungsarbeiten durchführt, wird Ende 1943 jedes Selbstbestimmungsrecht versagt, so dass sie ab diesem Zeitpunkt von der Mitgestaltung der Stadt mehr oder weniger ausgeschlossen ist. Außerdem führen Unklarheiten in den Führererlässen immer wieder zu Kompetenzschwierigkeiten.
Einen weiteren Konkurrenten erhält Roderich Fick im Generalbaurat von München, Professor Hermann Giesler, der - zum Vertrauensarchitekten des Diktators aufgerückt - von ihm ab etwa Ende 1941 nach und nach alle monumentalen Linzer Bauvorhaben einschließlich der Achsenplanung übertragen bekommt, so dass der Reichsbaurat, der bis Kriegsende sein Amt behält, zwar - wie aus dem aufgefundenen Unterlagen hervorgeht - auch noch 1944 an den monumentalen Zentren zeichnet, offiziell aber nur mehr die Altstadt zu bearbeiten hat.
Über allen diesen Planungsstellen steht als Initiator, wesentlicher Ideenträger und oberste Hoheit mit letzter Entscheidungsgewalt Adolf Hitler selbst, der meist spontan neue Bauvorhaben ankündigt, diese immer wieder willkürlich ändert, mehrmals gleichzeitig verschiedene Architekten mit gleichen Einzelaufgaben betraut und viele der Monumentalbauten in schnell hingeworfenen Skizzen den Architekten zur Ausarbeitung vorgibt, wobei er sich die Bauten in Gedanken bis in alle Einzelheiten ausmalt.
Innerhalb der ersten Monate des Jahres 1938 fallen viele Entscheidungen. Einen ersten Eindruck von den Umgestaltungsmaßnahmen, die auf Wunsch des Diktators bis 1950 abgeschlossen sein sollen, gibt der bereits Ende Juli 1938 nach den vagen Ideen Adolf Hitlers vom Linzer Stadtbaudirektor Anton Estermann gezeichnete "Schematische Raumverteilungsplan".

Wenn dieses frühe Konzept auch noch "bescheiden" anmutet, enthält es doch bereits die wesentlichen Schwerpunkte der monumental "verordneten" Vorstellungen und wird zur Grundlage für den Wirtschaftplan vom Dezember 1938. Entsprechend den Wirtschaftsplänen und dem Generalbebauungsplan der Stadt von 1942 und dem Generalbebauungsplan des Reichsbaurates vom März 1943 ist das Ziel eine Stadt von etwa 350.000 - 420.000 Einwohnern, was mehr als eine Vervierfachung der Bevölkerungszahl von damals bedeutet. Die dem Generalbebauungsplan beigeschlossenen Raumaufteilungspläne zeigen die geplante Stadterweiterung im Großraum des Städtevierecks Linz, Wels, Enns und Steyr. Diese Pläne wie auch alle weiteren Pläne erfahren aber nie eine gesetzliche Fundierung.

Die künftige Metropole soll nach diesen Planunterlagen als wichtigste Aufgabe zwei neue, repräsentativ ausgebaute Stadtzentren erhalten: Das 1938 noch vorwiegend vom Mittelalter geprägte Antlitz der Donauufer soll nach dem Willen des Diktators durch ein monumentales, über zwei Kilometer reichendes, ideologisches Verwaltungsforum ersetzt werden, in dem mehrere große Hotelkomplexe auch eine "Fremdenverkehrsstadt Linz" begründen sollen, während südlich an das bestehende Bauvolumen der Innenstadt anschließend - in Form einer typisch nationalsozialistischen Achsenplanung - die neue "europäische Kunstmetropole" Linz erstehen soll. Eng miteinander verknüpft werden die beiden Zentren mit der auf 36 Meter verbreiterten Landstraße als Hauptverkehrsachse und zwei neuen, zu ihr weiter östlich parallel verlaufenden, zusätzlichen Ringstraßen. Diese drei nordsüdlich verlaufenden Hauptverkehrsstraßen werden mit drei neuen, künstlerisch ausgestalteten Stadtbrücken bis über die Donau nach Urfahr geführt.
Die Wirtschaftspläne wirken sich vorwiegend auf die Verkehrs-, die Industrie-, Gewerbe-, Hafen- und Siedlungsplanungen aus. So trachtet man die Stadt weiter als Verkehrsknotenpunkt auszubauen. Linz soll an die Breitspurschnellbahn von Hamburg zum Schwarzen Meer angeschlossen, die Westbahnstrecke im Großraum Linz sechsgleisig, die Strecke Prag - Linz - Triest zweigleisig elektrifiziert ausgebaut werden. Weiters ist vorgesehen das Lokalbahnnetz zu erweitern und mit allen Haupt- und Nebenbahnen im neu zu errichtenden Hauptbahnhof zusammenzuführen. Neben dem Bahnhofsneubau sind auch große Rangierbahnhöfe, ein Frachtenbahnhof, ein Hafenbahnhof und der Neubau eines großen Reichsbahnausbesserungswerkes vorgesehen.
Die Reichsautobahn München-Salzburg-Linz-Wien geht schon 1938 in Bau. In diesem Konzept sind auch schon die in unserer Zeit verwirklichten Autobahnanschlüsse der Innkreis-, der Pyhrn- und der Pragerautobahn (Mühlkreisautobahn) eingezeichnet. Im gemeinsamen Stück dieser Autobahnen zweigt der Linzer Zubringer ab, der auf Wunsch Hitlers "bis ins Herz der Stadt" über die Achsenstraße des Kulturzentrums geleitet werden soll.
Das Ziel der Industrieplanung ist die Schaffung eines der größten Rüstungszentren Deutschlands im Raum Linz-Steyr. Der hiezu benötigte Raum allein im Stadtgebiet ist gewaltig. Am 4. Mai 1938 werden die Hermann-Göring-Werke(HGW) Linz gegründet, mit deren Situierung im Linzer Stadtgebiet Hitler der Stadt die wirtschaftliche Basis für die Zukunft geben will. Der Ausbau der HGW ist bis auf zwölf Hochöfen vorgesehen, von denen sechs bis 1945 verwirklicht werden. Eine kurzzeitig geplante Erweiterung auf 24 Hochöfen, in einem Industrieerweiterungsgebiet mit Tanklagern, Hafenanlagen und Rangierbahnhöfen von Linz bis zur Ennsmündung wird auf Wunsch Hitlers wieder fallengelassen, nachdem dieses neue "Ruhrgebiet" eine Wohnstadt für 80.000 Arbeiter (ca. 200.00 Einwohner) im Bereich des gesamten Hügellandes um St. Florian nach sich ziehen und damit auch das von ihm geliebte Stift beeinträchtigen würde.
Um die Kokereigase der Reichswerke zu verwerten, werden 1939 vom Deutschen Stickstoffsyndikat bzw. vom IG-Farbenkonzern die Stickstoffwerke Ostmark gegründet und zwischen den HGW und den geplanten Hafenanlagen situiert.
Nach den Vorstellungen Adolf Hitlers soll Linz nicht nur einer der bedeutendsten Häfen an der Donau werden, sondern im Zusammenhang mit dem Ausbau des Rhein-Main-Donau-Kanals einer der größten Warenumschlagplätze nach dem Vorbild von Duisburg werden. Die 1938 in Bau gehende Hafenanlage deren drei Becken für den Umschlaghafen noch verwirklicht werden, sieht außerdem fünf Hafenbecken für die Industriebetriebe sowie für den Kohlen- und Mineralölumschlag vor.
Die geplante Großstadterweiterung auf das Dreifache verlangt vor allem die Bereitstellung neuer großer Flächen für die Errichtung von Wohnsiedlungen. So werden schon im Jahre 1938 mehrere Umlandgemeinden eingemeindet, wodurch die Fläche des Linzer Gemeindegebietes bis 1939 von ca. 56km2 auf ca. 95km2 anwächst. Weitere Eingemeindungspläne, wie z.B. der Großgemeinden Traun und Leonding, werden zwar vom Reichsstatthalter genehmigt, aber von den zuständigen Ministerien nicht durchgeführt.
Die Bevölkerungszahl schnellt ab 1938 von 112.000 Einwohnern bis 1943 auf ca. 185.000 Einwohner (1945 über 195.000 Einwohner), was ungeheure Probleme mit sich bringt.
Ist der Fehlbestand 1937 mit 507 Wohnungen angegeben, so fehlen 1938 bereits 3000 und 1942 gar 15.485 Wohnungen. Erschwert wird die Wohnungsnot im Besonderen noch durch die schätzungsweise 7.000 Abbruchswohnungen infolge der Neugestaltungsmaßnahmen. Da die Baukapazität bei weitem die Linzer Möglichkeiten überschreitet, müssen Arbeiter und Kriegsgefangene herangeschafft und in unzähligen im Stadtgebiet verteilten Barackenlagern untergebracht werden. Der Wohnbau wird von Anfang an rasant vorangetrieben. Wegen der Vorteile von Großbaustellen und der Durchführung der Bauarbeiten durch öffentliche Stellen und Genossenschaften werden die neuen Wohnsiedlungen ausschließlich ins freie Umland gebaut. Von 1938 - 1944 werden 10.873 Wohnungen fertig gestellt, weitere 1.200 befinden sich im Bau, die Errichtung von 981 bereits geplanten Wohnungen wird noch vor Kriegsende eingestellt.
Die Wirtschaftspläne weisen noch Flächen für Schulen und Heime, kommunale Anlagen, öffentliche Betriebe und städtische Ver- und Entsorgungsanlagen sowie Flächen für Grünanlagen, militärische Anlagen usw. aus.
Hitlers Linz - Das Europäische Kunst- und Kulturzentrum im Süden der Stadt
Hitlers Linz - Ein ideologisches Verwaltungs- und Freizeitzentrum an der Donau