Das Lokalblog wegwinkl
ist mir, Conrad Lienhardt, ein besonderes Anliegen. Ich bin in Wegscheid geboren und in der Nachbarschaft der Kohlbauerkapelle mit ihren vier Linden aufgewachsen. Das ist im engeren Sinne meine Heimat. Hier steht mein Elternhaus, das Haus meiner Kindheit. Über mittlerweile Jahrzehnte habe ich wahrgenommen, wie der Verkehr zunahm, die Mühlgasse und die Adalbert-Stifter-Straße immer breiter wurden und schließlich auch der Kapellengrund von der Gemeinde überbaut wurde. Der Kapellengarten verkam zusehends zu einer Verkehrsinsel, manchmal zu einem Parkplatz. Im Winter lädt die Gemeinde hier den Schneeabraum ab, türmt diesen auf, bis die Kapelle dahinter nahezu verschwindet, zum Schaden der Kapelle und vor allem der Linden. Die Wertschätzung für diesen besonderen Ort, das Ensemble Kohlbauerkapelle, löst sich zunehmend auf.
Anfänglich wollte ich dem etwas entgegenhalten, aufzeigen, wie schön und wertvoll diese Kapelle und die vier 130-jähringen Linden sind, Bewusstsein dafür schaffen, dass es gilt einen ganz besonderer Ort zu bewahren. Ich versuchte zu zeigen, dass die Kapelle in der Nachbarschaft einen Sitz im Leben hat, mit den Höhepunkten der Fronleichnamsprozession und der Maiandacht.
Doch bald reichte es nicht mehr, nur zu zeigen, wie schön dieser Ort ist. Es ging darum, die Veränderungen zu dokumentieren und aufzuzeigen, wer wofür Verantwortung trägt. Dabei kam ich nicht darum herum, mich mit kommunalpolitischen Entscheidungen, mit Ortsentwicklung und Stadtplanung aber auch mit Verkehrsplanung zu beschäftigen. Zwei Bauprojekte seien an dieser Stelle angeführt: Das Seniorenzentrum, das auf dem Grund der Evangelischen Kirche gebaut werden sollte,1 und der Abriss eines Einfamilienhauses und Neubau eines Sechsparteienhauses in unmittelbarer Nachbarschaft. Nicht zuletzt wurden in diesem Zusammenhang Fragen rund um Klimawandel wichtig: Was unternimmt die Gemeinde, um öffentliche Einrichtungen aber auch Private vor den Folgen wie Starkregen zu schützen. Hier ist die Gemeinde leider wenig aufgeschlossen.
Die Auseinandersetzung mit kommunalpolitischen Themen nahm zuletzt zu und erstreckt sich auch auf den Erholungsraum Rannasee, für den eine touristische Inwertsetzung geplant ist, wohl zu Lasten des Erholungsraums und auf Kosten derer, die hier seit Jahrzehnten ihre Ruhe suchen.
Ich bin Ende der 1950er Jahre geboren und habe mich zeitlebens beruflich mit den Themen beschäftigt, über die ich hier schreibe. Seit ich im Gymnasium die Schülerzeitung barometer
gründete und redaktionell leitete, hat mich das Schreiben immer begleitet, nicht nur das wissenschaftliche Schreiben. Zehn Jahre lang war ich Redakteur einer Kunst- und Architekturzeitschrift (zunächst im Das Beispiel Verlag, dann bei Springer, heute bei Herder) und ich habe mehrere Bücher zu Kunst und Architektur veröffentlicht. Seit Mitte der 1990er Jahre betreibe ich Blogs – damals noch mit selbst programmierter Software. Inzwischen sind es 30 Jahre Bloggen.
Ich war Gründungsmitglied des architekturforums oberösterreich und bei städtebaulichen Themen in Linz engagiert. Als Diözesankonservator der Diözese Linz war ich Leiter kirchlicher Denkmalpflege und kirchlichen Denkmalschutzes. Zwanzig Jahre war ich Mitglied im Österreichischen Nationalkomitee von ICOMOS, einer UNESCO-verbundenen Organisation für Welterbe. In diesem Gremium arbeitete ich mit 83 weiteren führenden Expertinnen und Experten zusammen.
Diese Erfahrungen haben mich gelehrt, dass es bei großen und bedeutenden Denkmälern und internationalen Kulturlandschaften einfacher ist, deren Wert zu kommunizieren – aber dass es genauso wichtig ist, den Blick auf das zu richten, was vor der eigenen Haustür liegt, dessen Wert oft übersehen und geringgeschätzt wird. Deshalb schreibe ich hier.
Mein Motto:
Ich beobachte und dokumentiere, was mich und meinen Heimatort bewegt – unabhängig, unbequem und seit vielen Jahren.
Seit einigen Jahren ist es sehr still geworden um das geplante Seniorenheim in der Adalbert-Stifter-Straße und man hört, dass das Vorhaben aufgegeben worden sein soll. Daher habe ich bei der Migration dieses Lokalblogs auf ein neues Blogsystem keinen der Beiträge dazu übernommen. Sie können aber alle im im Webarchiv nachgelesen werden. ↩
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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