Im Oktober 2025 ist bekannt geworden, dass die letzte Metzgerei im Ortsgebiet zum Jahresende schließen wird und ebenso der Nahversorger EDEKA Brückl, gegenüber dem Altersheim gemeinsam mit der im Einkaufsmarkt eingemieteten Bäckerei samt kleinem Cafe. Ende Januar 2026 wird die Postfiliale in der Dreisesselstraße schließen.
Die Metzgerei Escherich, direkt am Marktplatz, gibt es seit 2022 nicht mehr. Zuvor schon hatte die Bäckerei Escherich geschlossen, davor das Kaufhaus Kössler. Seit Jahren schließt ein Geschäft nach dem anderen. Damit schwand das Angebot für den täglichen Lebensbedarf im Markt.
Es gibt innerorts keinen Nachversorger mehr. Wer sich mit Lebensmittel und Gütern des täglichen Bedarfs versorgen will, braucht dazu ein Auto. Denn zu den Einkaufsmärkten, die im Südwesten vor dem Ortsgebiet angesiedelt sind, führt kein Bürgersteig - den Discounter Norma ausgenommen, der über die Bahnhofstraße gerade noch erreichbar ist. Für ältere Menschen ist das nicht zu leisten.
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Mit Ausnahme eines Architekturbüros, das in die früheren Geschäftsräume des Elektrogeschäfts Friedrich am Marktplatz eingezogen ist, hinterlässt das Geschäftssterben vor allem Leerstand. Aber auch das stimmt nur zum Teil, da die aufgelassenen Geschäfte teilweise umgebaut wurden, wie die ehemalige Bäckerei Escherich. Eine Neuansiedlung von Nahversorgern wird damit immer schwieriger.
Dass die Zeit Veränderungen mit sich bringt, ist unbestritten. In Wegscheid geht es aber nicht um Veränderung, sondern um Verlust, denn auf Altes folgt nicht annähernd gleichwertiges Neues. Mag sein, dass Online Shopping benötigte Waren bequem direkt ins Haus liefert, künftig womöglich Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs. Wozu aber braucht es dann noch ein Ortszentrum?
Wegscheids Bürgermeister und Gemeinderat haben sich für ein weiteres Einkaufszentrum entschieden, eine „Einkaufsmeile”, wie das die PNP am 3.8.2023 formulierte. Dabei geht es um große Verkaufsflächen zwischen 3.140m² und 3.330m², im Anschluss an den Lebensmittel-Discounter Norma, gegenüber von Edeka-Buchbauer. Dort sollen unter anderem Aldi und dm unterkommen. Dabei sind solche vorgelagerten Einkaufsmeilen mit großflächiger Versiegelung schon längst überholt - nicht in Wegscheid.
Damit wird eine Wiederbelebung der Marktstraße nochmals enorm erschwert, vielleicht sogar verhindert. Es scheint, als sei der Gemeinderat völlig einfallslos und unmotiviert, kreative und wirtschaftlich tragfähige Lösungen zur Wiederbelebung des Ortskerns zu entwickeln und zu realisieren.
Dass es innerorts keinen Nahversorger mehr gibt, ist ein massiver Verlust der Lebensqualität für die Einwohner:innen. Als Verlust an Lebensqualität kann man aber auch die verloren gegangene Attraktivität sehen. Die Vielfalt der Geschäfte – früher – machte den Markt Wegscheid attraktiv. liebenswürdig und lebenswert. Man bummelte durch den Markt, schaute sich die Schaufenster und Auslagen an, sah sich Obst und Gemüse an, die vor den Lebensmittelmärkten auf Stellagen ausgestellt wurden, säuberlich geordnet, appetitlich. Es gab einen Uhrmacher, Friseure, eine Drogerie, zeitweise drei Schreibwarenhandlungen, Gemischtwarenhandlungen, Bäckereien und vieles andere mehr. Davon ist – heute – so gut wie nichts geblieben und nichts auch nur annähernd Gleichwertiges ist nachgekommen.
Ein abendlicher oder sonntäglicher Bummel durch den Markt ist trist, sehr trist. Touristen, die sich nach Wegscheid verlaufen wird eine Marktstraße im Niedergang geboten. Aber das will man im Urlaub eigentlich nicht sehen, denn das gibt es, besonders im Osten der Republik, bereits vielfach.
Was unternehmen Bürgermeister:in und Gemeinderät:innen angesichts dieser Situation? Die Entwicklung ist großteils hausgemacht. Dass der Nahversorger im Ort schließt, ist wohl eine Folge des geplanten großen Einkaufszentrums. Das hätte nie genehmigt werden dürfen, der Gemeinderat hätte keine Änderung der Flächennutzung und des Bebauungsplans beschließen dürfen. Es war absehbar, dass das massive Konsequenzen hat.
Nachdem Behörden und Ämter Wegscheid verlassen haben oder geschlossen wurden, setzt sich das „Sterben” des Ortes nun fort. Die Lebensqualität im Ort hat dadurch enorm eingebüßt.
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Bearbeitet am 24.01.2026
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
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