Sudelbuch

Heute Nacht besuchte mich
der Tod.
Auf halbem Weg hob er
den Kopf und meinte
er käme später wieder.

Ich kämpfte mich in Schmerzen
durch die Leichenstarre
zurück.

Conrad Lienhardt

Disruption scheint vielen ein ersehntes Mittel, um die Gesellschaft, die Wirtschaft, das eigene Unternehmen weiter voran zu bringen.

Dabei übersehen sie, dass die perfekte und finale Disruption der Tod ist. Disruption bringt das Gegenteil dessen, was man glaubt damit zu erreichen. Disruption ist l...

Es ist verstörend, wenn die israelische Regierung und die Oppositionsparteien die maßlose Gewalt in Gaza mit zuletzt über 30.000 Toten mit Verweis auf die 1.200 Opfer des perfiden und brutalen Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober 2023 rechtfertigen wollen. Schon wenige Wochen nachdem die israelis...

In einer geselligen Runde hören sie beiläufig Kritik an sich,
die sie nicht zu hören bekommen, wenn sie danach fragen.

Immer haben nur fünf oder sechs das Ohr des Tyrannen, dem sie sich entweder von selbst genähert haben oder von dem sie herbeigerufen worden sind, um die Mitschuldigen seiner Grausamkeiten, die Gefährten seiner Vergnügungen, die Unterhändler seiner Wollüste und die Teilnehmer seiner Räubereien zu sein. Diese sechs richten ihr Oberhaupt so gut ab, dass es nicht nur auf eigene Rechnung böse ist, sondern sich auch noch zu allen Übeltaten dieser seiner Kreaturen vergesellschaftet.

Unfähigkeit bezieht sich auf Menschen, welche weder die Möglichkeiten noch die Mittel haben, um sich am Spiel des Marktes zu beteiligen, damit...

Hannah Arendts Einstellung zum „radikal Bösen” hat sich im Laufe der Jahre verändert.
In einem Brief an Gershom Scholem von 1963 meinte sie:

Ich bin in der Tat heute der Meinung, dass das Böse immer nur extrem ist, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ga...

Ich erwachte und fand mich im Dunkeln wieder, orientierungslos, und ich konnte mich nicht erinnern, wo ich war. Ich hörte Stimmen, viele Stimmen. Es waren wohl außer mir noch viele Menschen mit mir im Dunkeln. Ich war verwirrt, weil ich mir keinen Reim auf die Situation machen konnte.

Als ich mich...

Es ist gar nicht so einfach, einen Gemütszustand treffend in Worte zu fassen. Ich fühle mich seit Tagen „unruhig”. Das beschreibt es zwar, ist aber nicht spezifisch genug.

Ich erinnere mich an viele Situationen, in welchen ich unruhig war, aber es war immer anders, sei es beispielsweise, dass ich...

Nebenwirkungen eines Medikaments
legten mein Herz beinahe still.
In einer späten Nacht, gegen Morgen,
war der Puls so schwach
dass ich keine Luft mehr bekam.
Ohne Panik wäre ich eingeschlafen.

— Conrad Lienhardt

Er hat uns, aus damaligem Empfinden, fast gequält damit, Gedichte über Gedichte auswendig zu lernen. Es sei, so unser Deutschlehrer, nicht nur ein Gedächtnistraining, sondern vor allem bildeten die erlernten Gedichte quasi einen Schatz, den uns niemand nehmen könne. Würden wir in Isolationshaft sitz...

Wir nutzen Zeitungen aus unserem Stapel gelesener Zeitungen, um unseren Biomüll zu verpacken, bevor wir ihn in die Biotonne vorm Haus werfen. Dieser Stapel war über die Jahre zu einer beachtlichen Größe angewachsen, bis wir uns für eine Onlineausgabe entschieden. Seither schrumpft der Stapel kontinu...

Ein auffälliges Phänomen. Egal ob in christlichen Glaubensgemeinschaften, in muslimischen oder jüdischen, selbst in buddhistischen, hinduistischen und vielen anderen Religionen sind es Männer, die das Sagen haben, die Priester oder Mullahs oder Rabbis oder Roshis oder Brahmanen oder eben andere. Zwa...

Zugefallen ist mir ein Lebensausschnitt, als ich Toni Morrisons Menschenkind aus dem Bücherregal zog und darin blätterte.

Ich hatte mir angewöhnt, auf der hinteren Innenseite des Buchumschlags nicht nur zu notieren, wann ich das Buch gekauft habe, sondern oftmals auch unter welchen Umständen ich a...

Erinnerungen sind nachträglich. Dennoch wundert es mich, dass es viele teils sehr unterschiedliche Erinnerungen an eine gemeinsame, intensiv gelebte Zeit gibt. Nicht nur, dass Unterschiedliches erinnert wird, es wird auch unterschiedlich erinnert. Dann ist es die Körperhaltung, die Art des Lachens J...

Einige wussten von letzten Begegnungen zu berichten, aber auch die lagen Jahre zurück. Er solle noch in Hamburg leben, aber gewiss sei es nicht. Wir alle bedauerten, dass er offenbar den Kontakt mit allen mied, mit denen er in seiner Jugend und als Heranwachsender befreundet gewesen war. Da die Bezi...

Es scheint, dass viele Menschen sehr schnell das Interesse an Gesprächen verlieren, vor allem, wenn Zuhören gefragt ist. Man hört dann aus Höflichkeit zu, vielleicht, denn auch mit dieser Höflichkeit im Gespräch hört es sich, gefühlt, schnell auf.

Aufmerksamkeit wird flüchtig. Gerade wenn man nich...

Ananke (ΑΝΑΓΚΗ) tritt aus einem Vergessen spürbar hervor. Ananke ist in der griechischen Mythologie die Ursprungsgöttin des zwangsläufigen Schicksals. Die Römer nannte sie später „Necessitas”, die Personifizierung des unabwendbaren Schicksals, des Unvermeidlichen, nicht des persönlichen, individuell...

Das schwere Portal zum ehemaligen Jesuitenalumnat in der Passauer Michaeligasse war mein Wurmloch in andere Galaxien, von der ländlich provinziellen Welt des Gymnasiasten im damals östlichsten Gymnasium der Bundesrepublik Deutschland in ganz andere, fremde Welten. Die schwere Türe, der Zugang zur St...

Angesichts vielfältiger Formen von Ausbeutung, Betrug, Unaufrichtigkeit, Übervorteilung sowie weidlichem Gebrauchs sogenannter „Alternativer Fakten”, schamlosen Gebrauchs von „Fake News” zum eigenen Vorteil auf Kosten anderer, Missbrauch des Rechts, Bedrohung und Formen von Erpressung, schwindet bei...