Sudelbuch

Es ist viele Jahr her. Es war 1988. Mein Freund, Gerwald Sonnberger und ich waren einige Male in Budapest. Wir hatten uns vorgenommen, eine Ausgabe der Literaturzeitschrift LANDSTRICH mit kritischen ungarischen Autoren herauszubringen, gemeinsam mit Péter Balassa, Lázlo F. Földényi und Péter Rácz, d...

Ich saß am Beifahrersitz eines am Straßenrand in einer Seitengasse einer Stadt parkenden Autos. Das Fenster war heruntergekurbelt. Es war ein warmer, angenehmer Tag. Am Bürgersteig entlang kam ein bayerischer Polizist in kurzem Hemd und an einer Leine führte er ein Rentier. Ich meinte zu den andere...

Seit meiner Kindheit habe ich eine sehr entspannte Einstellung zum Tod. Er ist wie ein vertrauter Begleiter, ein stiller Freund. Beim Einschlafen hatte ich noch als Jugendlicher manchmal die Vorstellung in seinen Armen einzuschlafen und von ihm beschützt zu sein.

Aber vorm Sterben hatte ich immer...

Kürzlich bin ich über den Begriff „Kontraphobie” gestolpert. Das Phänomen war mir lange bekannt, bevor ich nun den terminus technicus erlas. Laut Wikipedia kennzeichnet das ein Verhalten, bei dem die innere Gefühlswelt und das äußeres Erscheinungsbild eines Menschen in einen eklatanten Gegensatz t...

Es ist meine erste Erinnerung an ein politisches Ereignis. Ich war fünf Jahre alt. Mein Vater und ich fuhren im Auto, abends gegen 19 Uhr, es war November und daher schon dunkel, zum Milch holen. Im Radio hörten wir die Nachricht, dass der Präsident der Vereinigten Staaten, John F. Kennedy, in Dalla...

Meine Arbeitsprozesse haben sich verändert. Unter dem Ergebniszwang und dem Zeitdiktat blieb ich früher während einer Recherche, einer Studie oder Thesis fokussiert. Auch noch so Interessantes, Anregendes und Faszinierendes, das mir während der Arbeit zufiel, blieb unbeachtet, solange es nichts mit...

In einem steinernen Portalvorbau, dunkel mit schwerer fast schwarzer Eichentüre, offen, spielte sich das Drama ab. Ich war gerade dabei, über die Schwelle zu treten, als ich sah, wie eine wirklich große schwarze Katze, mit einem weißen Pfötchen eine große Ratte verschlang. Es erinnerte mich an eine...

Erst Jahre nach dem meine beiden Eltern verstorben waren, wurde mir klar, dass – bezogen auf das nachgelassene Einfamilienwohnhaus – die Rede vom „Elternhaus” eine Verkürzung darstellt. Es ist auch das „Haus meiner Kindheit”. Seit mir das so klar wurde und ich viel darüber nachgedacht habe, was...

Ein überschaubarer Saal mit Stühlen und Tischen vor einer Bühne, leicht abgedunkelt, die Bühne im Licht. Ich saß nah an der Bühne, so nah, dass ich meine Hand darauf legen konnte. Auf der Bühne erkannte ich Christian Lindner, in einem chicen Pullover, einem Pepita-Röckchen mit schwarzen Leggings und...

Vor einigen Jahren sprach mich eine sehr eigene, um nicht zu sagen seltsame Frau an. Sie fragte mich, warum in katholischen Kirchen Gewalt so allgegenw...

Als ich heute morgen wach wurde, tat mir alles weh. Ich hatte heftige Prügel bezogen, wie seit meinen Raufereien als Kind nicht mehr. Ich konnte mich kaum rühren, alles tat mir weh.

Ich konnte mich nur daran erinnern, dass es eine wilde Keilerei an der troischen Flachküste an einem sehr heißen Tag...

Oder sollte ich es doch kaufen, Laurent Binets kürzlich auf Deutsch erschienenes Buch, genauer den Roman „Perspektiven”? Es handelt von Jacopo da Pontormo, einem meiner so geschätzten Maler des Manierismus, besser gesagt, von dessen Ermordung. Und damit beginnt es schon. Die Ermordung Pontormos ist...

Gleich vorweg: Gratler darf man niemanden nennen, will man nicht wegen Herabwürdigung vor Gericht gezerrt werden, zumindest in Deutschland, wie das 2007 ein Münchner Gericht feststellte. Und das, obwohl Gratler sich in zunehmendem Maße dort finden und erstaunlich mehren, wo man sie zunächst nicht ve...

Rücksichtslosigkeit, fehlende Empathie, Egozentrik, Narzissmus gepaart mit mangelnder Bildung und zumeist unterdurchschnittlicher Intelligenz bei gleichzeitiger Schlauheit, Ruchlosigkeit und Niederträchtigkeit, das macht mir Angst. Und zur Zeit kriechen Typen, die all das mehr oder weniger ausgepräg...

Leider habe ich den Traum erst spät aufgeschrieben, so dass ich die „Vorgeschichte” nicht mehr erinnere. Die Erinnerung setzt dort ein, wo ich jemandem nachgehe, der mir verdächtig schien. Warum und in welcher Hinsicht er verdächtig schien, war im Traum wohl weniger wichtig, weil ich mich daran nich...

Nachdem heute Nacht wieder jemand laut klopfte, während ich schlief und das in den letzten Monaten öfter passierte, ohne dass das der Fall gewesen wäre, frage ich mich, was in meinem Unterbewusstsein vorgeht.

Was mich besonders beschäftigt, ist die Tatsache, dass das Klopfen immer energischer wird...

Das zitierte Buch endet mit folgendem Satz:

Heute Nacht besuchte mich
Aeneas.
Es wird Zeit,
Reisevorbereitungen zu treffen.

— Conrad Lienhardt