Hannah Arendts Einstellung zum „radikal Bösen” hat sich im Laufe der Jahre verändert.
In einem Brief an Gershom Scholem von 1963 meinte sie:
Ich bin in der Tat heute der Meinung, dass das Böse immer nur extrem ist, aber niemals radikal, es hat keine Tiefe, auch keine Dämonie. Es kann die ga...
Mit etwa zehn, elf Jahren hatte ich die Begabung bei mir festgestellt, in Träumen zu wissen, dass ich träume. Das faszinierte mich und ich kultivierte diese Begabung bis dahin, dass ich gewissermaßen rational in diesen Träumen agieren konnte, teils auch, um zu prüfen, ob ich mich nun in einem Traum...
Ich erwachte und fand mich im Dunkeln wieder, orientierungslos, und ich konnte mich nicht erinnern, wo ich war. Ich hörte Stimmen, viele Stimmen. Es waren wohl außer mir noch viele Menschen mit mir im Dunkeln. Ich war verwirrt, weil ich mir keinen Reim auf die Situation machen konnte.
Als ich mich...
Es ist gar nicht so einfach, einen Gemütszustand treffend in Worte zu fassen. Ich fühle mich seit Tagen „unruhig”. Das beschreibt es zwar, ist aber nicht spezifisch genug.
Ich erinnere mich an viele Situationen, in welchen ich unruhig war, aber es war immer anders, sei es beispielsweise, dass ich...
[Nachschrift aus den Übungen] Es braucht Konzentration, aber auch Entschiedenheit und Mut für eine schöne Handschrift.
Nebenwirkungen eines Medikaments
legten mein Herz beinahe still.
In einer späten Nacht, gegen Morgen,
war der Puls so schwach
dass ich keine Luft mehr bekam.
Ohne Panik wäre ich eingeschlafen.
— Conrad Lienhardt
Er hat uns, aus damaligem Empfinden, fast gequält damit, Gedichte über Gedichte auswendig zu lernen. Es sei, so unser Deutschlehrer, nicht nur ein Gedächtnistraining, sondern vor allem bildeten die erlernten Gedichte quasi einen Schatz, den uns niemand nehmen könne. Würden wir in Isolationshaft sitz...
Wir nutzen Zeitungen aus unserem Stapel gelesener Zeitungen, um unseren Biomüll zu verpacken, bevor wir ihn in die Biotonne vorm Haus werfen. Dieser Stapel war über die Jahre zu einer beachtlichen Größe angewachsen, bis wir uns für eine Onlineausgabe entschieden. Seither schrumpft der Stapel kontinu...
Ein Freund hat die Angewohnheit, aus meinen Bücherregalen Bücher, die seine Aufmerksamkeit erregen, herauszuziehen, hineinzulesen und sie dann irgendwo in der Wohnung, dort, wo er sie schließlich zugeklappt hat, liegen zu lassen. Je nach Dauer seiner Besuche liegen mehr oder weniger Bücher in der Wo...
Ein auffälliges Phänomen. Egal ob in christlichen Glaubensgemeinschaften, in muslimischen oder jüdischen, selbst in buddhistischen, hinduistischen und vielen anderen Religionen sind es Männer, die das Sagen haben, die Priester oder Mullahs oder Rabbis oder Roshis oder Brahmanen oder eben andere. Zwa...
Zugefallen ist mir ein Lebensausschnitt, als ich Toni Morrisons Menschenkind aus dem Bücherregal zog und darin blätterte.
Ich hatte mir angewöhnt, auf der hinteren Innenseite des Buchumschlags nicht nur zu notieren, wann ich das Buch gekauft habe, sondern oftmals auch unter welchen Umständen ich a...
Erinnerungen sind nachträglich. Dennoch wundert es mich, dass es viele teils sehr unterschiedliche Erinnerungen an eine gemeinsame, intensiv gelebte Zeit gibt. Nicht nur, dass Unterschiedliches erinnert wird, es wird auch unterschiedlich erinnert. Dann ist es die Körperhaltung, die Art des Lachens J...
Woher auch immer mein innerer Anspruch kam, ein Buch nach dem anderen lesen zu müssen, es hatte seine Tücken. Es entwickelte sich in der Praxis eine Art Schachtellesen. Das eine Buch noch nicht ganz zu Ende gelesen, wird zur Seite gelegt, weil sich ein anderes in den Vordergrund drängt, wobei es die...
Liebe Theresa,
vor fünfzig Jahren wurde die demokratisch gewählt Regierung unter Salvador Allende in Chile durch einen brutalen, gewalttätigen und die Menschenrechte missachtenden Militärputsch mit Unterstützung der U.S.A. gestürzt. Ich war damals 15 Jahre alt und ich war schockiert. Vor allem übe...
Einige wussten von letzten Begegnungen zu berichten, aber auch die lagen Jahre zurück. Er solle noch in Hamburg leben, aber gewiss sei es nicht. Wir alle bedauerten, dass er offenbar den Kontakt mit allen mied, mit denen er in seiner Jugend und als Heranwachsender befreundet gewesen war. Da die Bezi...
Es scheint, dass viele Menschen sehr schnell das Interesse an Gesprächen verlieren, vor allem, wenn Zuhören gefragt ist. Man hört dann aus Höflichkeit zu, vielleicht, denn auch mit dieser Höflichkeit im Gespräch hört es sich, gefühlt, schnell auf.
Aufmerksamkeit wird flüchtig. Gerade wenn man nic...
Ananke (ΑΝΑΓΚΗ) tritt aus einem Vergessen spürbar hervor. Ananke ist in der griechischen Mythologie die Ursprungsgöttin des zwangsläufigen Schicksals. Die Römer nannte sie später „Necessitas”, die Personifizierung des unabwendbaren Schicksals, des Unvermeidlichen, nicht des persönlichen, individuell...
Das schwere Portal zum ehemaligen Jesuitenalumnat in der Passauer Michaeligasse war mein Wurmloch in andere Galaxien, von der ländlich provinziellen Welt des Gymnasiasten im damals östlichsten Gymnasium der Bundesrepublik Deutschland in ganz andere, fremde Welten. Die schwere Türe, der Zugang zur St...
Angesichts vielfältiger Formen von Ausbeutung, Betrug, Unaufrichtigkeit, Übervorteilung sowie weidlichem Gebrauchs sogenannter „Alternativer Fakten”, schamlosen Gebrauchs von „Fake News” zum eigenen Vorteil auf Kosten anderer, Missbrauch des Rechts, Bedrohung und Formen von Erpressung, schwindet bei...
Es gibt ein massives strukturelles Versagen und es gibt ein Versagen aus Überforderung von Pflegepersonal und Ärzten und Angehörigen. Ein Altern in Würde bleibt die Ausnahme, zumal in sogenannten Seniorenresidenzen und Pflegeheimen. Wenn alt werden bedeutet, in einer Vorhölle festzustecken, aus der...
© 2026 von Dr. Conrad Lienhardt
Wir verwenden nur technisch erforderliche Cookies. Mehr erfahren
Einige technisch notwendige Cookies sind für den Betrieb der Seite unerlässlich. Wenn Sie alle Cookies ablehnen, können wir Ihnen die Seite nicht korrekt anzeigen.
Möchten Sie stattdessen zu Google navigieren?